Eine der ersten Seiten dieses Blogs war vor etwa einem Jahr die Liste mit Linuxalternativen. Hier wollte ich die „must-have“ Linuxprogramme auflisten, die man als Mac Nutzer installieren sollte, damit einem der Wechsel von einem Betriebssystem zum anderen nicht so schwer fällt. Ich hatte auf dieser Seite all die Programme zusammen getragen, die ich unter MacOS X häufig genutzt hatte. Die Liste der Alternativen zu diesen Programmen war in den ersten Monaten noch ziemlich dünn, füllte sich dann aber nach und nach.
Beim Schreiben des Jahresrückblicks (Teil 1 / Teil 2) ist mir dann aufgefallen, dass die Liste mit Linuxalternativen auch nach einem Jahr immer noch ein paar Leerstellen aufweist. Ganz schön viele eigentlich sogar. Azureus, ColorSync, Cyberduck, Dashboard, Disk Utility, Dock, DVD Player, Exposé, EyeTV, iCal, Preview, Quick Look, QuickTime Player, Spaces, VLC (Stand: 19. September 2009). Für all diese Programme hatte ich bislang keine Linuxalternativen aufgelistet. Nun ist nicht nicht so, dass es keine entsprechenden Programme geben würde. Ich hatte bislang nur noch keinen Artikel über diese geschreiben. Das war zum Teil meiner Faulheit geschuldet – zum Teil aber auch der Tatsache, dass einige Programme nicht spannend genug für eine umfangreiche Besprechung waren. Dennoch will ich euch die noch nicht besprochenen Linuxalternativen nicht vorenthalten. Viele dieser Programme nutze ich bereits seit Monaten, ohne das bislang erwähnt zu haben.
Azureus | Transmission

Transmission ist ein eleganter, kleiner BitTorrent Client. Merkwürdig, dass ich den unter MacOS X nie installiert hatte.
Mein Standardprogramm für BitTorrent war unter MacOS X Azureus. Kein besonders elegantes Programm. Aber es unterstützte die Verschlüsselung des Datenstroms und die Umleitung aller Trackeranfragen durch das Tor-Netzwerk. Ubuntu installiert als BT-Standardsoftware Transmission. Das hat ebenfalls Funktionen für Umleitung und Verschlüsselung. Im Gegensatz zu Azureus ist es viel eleganter zu bedienen und es ist cross-plattform. Ich hätte es also auch auf dem Mac nutzen können. Manchmal ist man hinterher schlauer.
Cyberduck | Nautilus

Die gute Integration von FTP, SMB, WebDAV und Co. in den GNOME Dateimanager Nautilus macht Programme wie Cyberduck für mich überflüssig.
Wer auf Daten zugreifen will, die nicht auf dem eigenen PC liegen, steht vor der Frage: Kann mein Betriebssystem das out-of-the-box, oder installiere ich eine spezielle Software dafür. Üblicherweise kommt am Ende eine Art Misch-Lösung dabei heraus. Zumindest bei mir war das bislang immer so. Für die SMB-Verbindungen zu den Rechnern im Netzwerk konnte ich den MacOS X Finder nehmen. Für FTP und WebDAV musste ich Cyberduck installieren. Die Finder-Integration dieser Protokolle war zu schlecht. Im GNOME Dateimanager Nautilus ist die Integration der gängigsten Protokolle eine ziemlich runde Sache. Nautilus mountet Server als Laufwerke. Der Finder kann das theoretisch auch. In der Praxis war das aber immer ganz schön hakelig. Nautilus bekommt das viel besser hin. Alle Protokolle funktionieren reibungslos, man kann Bookmarks setzen, die Passwörter werden im GNOME Schlüsselbund gespeichert – das ist elegant, mir reicht das. Obwohl Cyberduck ein gutes Programm war, vermisse ich es nicht.
Disk Utility | GNOME Partition Manager

Apple Disk Utility: Es gibt unter Linux kein Programm mit einem ähnlichen Funktionalitätsprofil. Der GNOME Partition Editor (Abbildung) ist noch am ehesten vergleichbar.
Disk Utility (deutsch: Festplatten Dienstprogramm) ist so eine Art Schweizer Messer für alles rund um Festplatten, DVDs, Diskimages und so weiter. Obwohl… Der Begriff „Schweizer Messer“ ist mir irgendwie zu postiv besetzt. Disk Utility ist eher so eine Art „Allesmöglicheprogramm“. Ich bin ja kein Fan von Multifunktionsanwendungen. Mit Disk Utility kann man DVDs brennen, Diskimages erstellen und mounten, das Dateisystem überprüfen, Festplatten formatieren, RAID-Systeme aufsetzen und sogar Backups machen. Ein Programm dieser Art gibt es für GNOME (zum Glück) nicht. Die Funktionen von Disk Utility findet man bei Ubuntu sinnvoll auf die passenden Programme verteilt. DVDs kann man beispielsweise mit dem Dateimanager Nautilus brennen. Im Sinne von „Festplatten Dienstprogramm“ wäre der GNOME Partition Editor ein mit Disk Utility vergleichbares Programm. Es macht das, was es soll (Festplatten formatieren), sehr gut. Sprich: Es ist selbsterklärend und der Workflow ist so angelegt, dass man seine Festplatte nicht so leicht aus Versehen formatiert.
DVD Player / QuickTime | VLC Media Player

Der VLC Media Player spielt alle erdenklichen Videoformate problemlos ab.
Wenn ich mir auf einem Mac Videos ansehen wollte, dann stand zunächst mal immer die Entscheidung an: DVD Player? QuickTime Player? Oder VLC? DVDs aus Deutschland habe ich dann immer mit dem Apple DVD Player angesehen. Für QuickTime-Formate (mov, m4v, mp4, qt) habe ich den QuickTime Player benutzt. Für den Rest, also für DVDs aus den USA, für divx, xvid und Co., habe ich VLC genommen. Ich weiß natürlich, dass das blödsinnig war. VLC spielt auch deutsche DVDs und QuickTime ab. Vermutlich habe ich QuickTime Player und DVD Player einfach aus Gewohnheit immer weiter genutzt und deshalb nie gelöscht. Ich war ja schon seit 1995 Mac-Nutzer und kannte zunächst nur QuickTime. Die Standard-Ubuntuinstallation bringt den Media Player Totem mit. Wenn man die entsprechenden Codecs nachinstalliert, spielt der auch eine Menge Videoformate ab. Ich hab mich im Alltag dennoch für VLC entschieden. Vermutlich wieder aus Gewohnheit, weil ich den ja vom Mac schon kannte. „Hüben wie drüben“: Der VLC funktioniert auch unter Ubuntu völlig problemlos und ist momentan mein einziger Videoplayer.
Exposé | Compiz Scale

Wem die Ubuntu-Taskbar zu unübersichtlich ist, der könnte es mal mit der Compiz-Option "Scale" versuchen.
Ich bin ja kein großer Fan der GNOME Taskbar. Ein etwas übersichtlicheres Konzept für Fenstermanagement kommt von Apple und heißt Exposé. Ein Klick und man sieht alle offenen Fenster nebeneinander verkleinert auf dem Desktop. Diese Funktion kann man unter Ubuntu auch nutzen. Der Fenstermanager Compiz hat eine Option „Scale“. Die muss man aktivieren. Dummerweise bin ich klickfaul. Die unübersichtliche Navigaton via Taskbar benötigt genau einen Klick weniger als Exposé bzw. Compiz Scale. Obwohl es schick aussieht, benutze ich „Scale“ selten.
iCal | Mozilla Lightning

Lightning für Mozilla Thunderbird ist nur 2 Megabyte groß. Meine Linuxalternative für Apple iCal.
Leider habe ich keine eigenständige Kalender-Software für meinen GNOME-Desktop gefunden. Ich fand es immer gut, dass Apple in sein Mail-Programm nie einen Kalender eingebaut hat. Der Multifunktionsansatz von Microsoft Outlook oder auch von Evolution (Linux) hat mich nie überzeugt. Ich hatte kurzzeitig mal Mozilla Sunbird ausprobiert. Aber bei dem Programm besteht ja akut die Gefahr, dass es nicht weiterentwicklet wird. Vielleicht sollte ich mal einen Blick rüber in KDE Lager werfen. Momentan siegt bei mir die Faulheit. Das Lightning-Plugin für Mozilla Thunderbird (nur 2 Megabyte!) funktioniert problemlos und genügt meinen (möglicherweise geringen) Ansprüchen. Das ist zwar jetzt auch eine integrierte Mail/Kalender-Lösung. Aber die ist wenigstens eleganter als das klobige Evolution. Meine alten Kalender aus Apple iCal habe ich importiert – und mir weiter keine Gedanken zum Thema Kalender gemacht.
Preview | Eye of GNOME (Image Viewer)

Eye of GNOME ist ein leistungsfähiger PDF- und Bildbetrachter - eine Alternative zu Apple Preview
Auf der WWDC Keynote 2003 hat Steve Jobs den Dokumentenbetrachter Preview als „fastest PDF viewer on the planet“ bezeichnet. Und „gefühlt“ war er das auch so – gerade im Gegensatz zum Adobe Reader. Preview kann selbst sehr umfangreiche Dokumente quasi ohne Verzögerung öffnen und anzeigen. Die Suche innerhab der Dokumente ist schnell. Neben PDFs zeigt Preview auch alle möglichen Bildformate an – auch die alle sehr schnell. Ubuntu bringt für diesen Zweck Eye of GNOME (Image Viewer) mit. Der zeigt ebenfalls PDFs und Bilddateien an. Ist auch sehr schnell. Im direkten Vergleich zu Preview aber vielleicht etwas langsamer. In jedem Fall ist der Image Viewer ein guter Ersatz für Preview.
Spaces | Compiz Expo

Wechsel zwischen zwei virtuellen Desktops mit dem Compiz-Plugin "Expo"
Als Apple im Jahr 2007(!) mit Spaces erstmals virtuelle Desktops für MacOS X einführte, waren sie spät dran. GNOME, KDE und Co. hatten diese Funktion bereits seit Jahren. In der Standardinstallation von Ubuntu sind bereits zwei „Workspaces“ angelegt. Man erreicht den zweiten Schreibtisch üblicherweise über den kleinen Workspace-Switcher unter rechts.
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Wem das nicht funky genug ist: Es gibt eine Menge Plugins für Compiz, die die Verwaltung der Desktops verschönern und erleichtern. Am bekanntesten ist sicherlich Cube. Ich selbst nutze ich das Plugin „Expo“.
Was jetzt noch fehlt: ColorSync, Dashboard, Dock, EyeTV und Quick Look
Das Projekt Bye-bye Apple Computer neigt sich allmählich dem Ende zu. Meine Liste mit Linuxalternative ist fast komplett. Es gibt noch fünf Leerstellen: ColorSync, Dashboard, Dock, EyeTV und Quick Look. Bislang habe ich diese Programme/Dienste aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht vermisst. Deshalb hatte ich mich auch noch nicht auf die Suche nach Alternativen gemacht. Mein alter Mac mini ist noch als Videorecorder in Betrieb. Ich brauche momentan keine Alternative zu EyeTV, weil ich es auf meinem VCR-Mac ja noch nutze. Auf die Suche nach einer Linuxalternative für das Dock hatte ich mich bislang noch nicht gemacht, weil ich das Grundkonzept des Apple Docks nicht gut finde. Ähnliches gilt fürs Dashboard. Im Prinzip finde ich Widgets für Wetter oder Fahrplan ganz gut. Aber der Zugriff über das Dashboard-Layer war mir im Grunde immer ein Klick zuviel. Tja und ColorSync? Soweit ich das sehe, ist Farbmanagement für Linux kein großes Thema. Wenn ich den entsprechenden Eintrag auf Wikipedia richtig verstehe, dann unterstützen etliche Applikationen im Prinzip ein Farbmanagement. Wie ich meinen Monitor vernünftig kalibrieren kann, weiß ich aber nicht. Das Ergebnis: Momentan sehen meine Fotos noch auf jedem Monitor unterschiedlich aus.
Und dann gibt es da ja auch noch Quick Look. Die Instant-Vorschau für den MacOS X Finder. Ganz ehrlich: Das ist eine Funktion, die ich tatsächlich schwer vermisse. Auf dem Mac kann man sich eine sehr große Vorschau einer beliebigen Datei anzeigen lassen, indem man die Leertaste im Finder drückt. Das ist sehr sehr praktisch. Für Linuxsysteme ist diese Funktion erst noch in Entwicklung. Das Projekt nennt sich Gloobus und es scheint ganz gute Fortschritte zu machen. Ich kenne bislang nur vielversprechende YouTube Demos (siehe oben). Mit der Installation warte ich aber wohl ein paar Monate. Stoff für den ein oder anderen Beitrag scheint es mir auch nach einem Jahr „Bye bye Apple Computer“ noch zu geben. Ein Glück.
Schlagworte: Azureus, ColorSync, Cyberduck, Dashboard, Disk Utility, Dock, DVD Player, Evolution, Exposé, Eye of GNOME, EyeTV, GNOME, GNOME Partition Manager, Gparted, iCal, Image Viewer, Mozilla Lightning, Nautilus, Preview, QuickLook, QuickTime Player, Spaces, Totem, Transmission, VLC