In den kommenden Wochen wird Apple eine neue Version seines Betriebssystem MacOS X herausbringen. Gut zwei Jahre nach „Leopard“ kann man sich als Apple Nutzer dann für günstige 29 Euro das neue „Snow Leopard“ kaufen. Die (verdammt kurze) Liste der neuen Funktionalitäten der dieser Version von MacOS verdeutlicht: Momentan lehnt man sich in Cupertino ganz lässig weit zurück, verschränkt gähnend die Arme hinter dem Kopf und beobachtet das Geschehen auf dem PC Markt. Genau das war einer der Hauptgründe für mich im vergangenen Jahr mal einen Blick in die Linux Welt zu werfen. Im Macintosh-Bereich herrscht bei Apple Stillstand.
Alle interessanten Aktivitäten scheinen sich exklusiv im iPhone-Bereich abzuspielen. Und – das muss man der Entwicklungsabteilung von Apple auch ganz klar zugestehen – im das iPhone ist ein großartiges Gerät. Von meinem iPod touch kenne ich das iPhone OS ganz gut. Es ist anderen MobileOSes wie etwa Maemo von Nokia in Bereichen wie Bedienkomfort, Schnelligkeit und Energiesparen um Längen überlegen. Viel Licht, aber noch viel mehr Schatten. Mit seiner Softwarepolitik rund um iPhone und iPod touch offenbart Apple auch sehr deutlich seine dunkle Seite. Das iPhone ist eine schwerstens abgeschottete Plattform. Mit jedem Firmware-Update wird die weiter Abschottungsschraube gedreht. Die feste unbrechbare Kopplung an den iTunes Musikshop ist die zentrale Strategie für die Plattform iPod/iPhone. Ohne iTunes geht gar nichts. Eine leidvolle Erfahrung insbesondere für alle Linux-Nutzer.
Crab Apple Monster! - Wie passend. Ein Fundstück von Flickr-Nutzerin Juli Shannon (jk5854) CC BY-NC 2.0
In den vergangenen zwölf Monaten machte Apple negative Schlagzeilen, weil es immer wieder die Inhalte des Software-Stores zensierte. Abstrus erscheinen die Zensurmaßnahmen, die Apple im Namen des Jugendschutzes betreibt. Da wird ein Wörterbuch aus dem Programm genommen, das so schlimme Wörter wie „Cunt“ enthält. Unangenehm wird’s wenn Apple Konkurrenzprodukte zensiert. Beispiele hier wären: MailWrangler und Podcaster. Das muss man mal in Perspektive setzen. Bei Microsoft wird seit Jahren bemängelt (und vor EU-Gerichten geklagt), dass der Internet Explorer so eng mit Windows verzahnt ist. Man stelle sich vor, Microsoft ginge noch einen Schritt weiter und würde eine Installationsmöglichkeit von Firefox komplett blockieren.
Nun – genauso handelt Apple. Wo es nur geht, wird Kontrolle geübt. Ein Grund dafür ist das Bestreben, die eigene Marktposition zu sichern. Der zweite Grund für den Zensur- und Kontrollwahn ist das Betreben, die User-Experience der eigenen Produkte stimmig zu halten. Die Produkte aus Cupertino sollen möglichst rund sein. Ich würde aber lieber ein paar Ecken und Kanten in Kauf nehmen, wenn Apple darauf verzichten würde mich zu entmündigen. Es muss möglich sein, auf meinem iPod auch Programme zu installieren, die Apple nicht gut findet.
Aber diese Art von Offenheit ist nicht von Apple in den kommenden Jahren nicht zu erwarten. Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass alle zukünftigen Produkte aus Cupertino geschlossene Betriebssysteme haben werden. Der gute alte Personal Computer, so scheint es, war ein bedauerliches Missverständnis. Die Ingenieure haben Anfang der 1980er Jahre in ihrem jugendlichen Leichtsinn eine Plattform etabliert, die das freie Ausführen von Code ermöglichte (Hui!). Damals hatte man nicht bedacht: Nutzer sind dämlich und müssen vor sich selbst geschützt werden. Ich bin mir sicher: Wenn man Steve Jobs in eine Zeitmaschine setzten würde, dann würde His Steveness (mit seinem De Lorean?) ins Jahr 1984 zurückfliegen und diesen Geburtsfehler des Macintosh korrigieren.
Ja, liebe Apple Fanboys, der einstmals schöne Apfel ist faul geworden. Und ich sehe keine Anzeichen, dass sich daran in den kommenden Jahren etwas ändern wird. Dass im Bereich MacOS momentan Stillstand herrscht, ist da fast noch ein gutes Zeichen. Denn eines ist sicher: Freier wird die Plattform Macintosh in den kommenden Jahren sicherlich nicht werden. Es steht eher zu befürchten, dass Apple das erfolgreiche Geschäftsmodell AppStore auf MacOS portiert, damit das Betriebssystem „sicherer“ wird.
Zeit also für einen Wechsel. Der zweite Teil des Rückblicks auf ein Jahr Bye-bye Apple Computer wird wohl Ready When You Are betitelt werden – und widmet sich dann meinen Erfahrungen mit dem Umstieg auf Ubuntu Linux.
Schlagworte: 10.6, Apple, iPhone, iPhone OS, iPod touch, MacOS X, Snow Leopard, Ubuntu
August 20, 2009 um 8:00
Hallo,
ich kann Dir nur zustimmen.
Finde ich klasse, dass mal jemand nicht nur dem Hype Apple huldigt, sondern selber nachdenkt und auch die Nachteile aufzeigt.
Ich bin vom ipodtouch angefixt worden und habe für die Familie dann zwei Apple-Maschinen (imac, macbook) in den Maschinenpark aufgenommen.
Einige Dinge finde ich nicht so wirklich gelungen (z.B. Minimieren oder Maximieren mit einer Tastenkombination).
Also ich bleibe bei Ubuntu (XP läuft in virtual box) und dass läuft seit der ersten Version stabil (nie einen Ausfall gehabt) und vorher lief die Suse lange Jahre – bin zwar trotzdem kein Linux-Prophet, aber einfacher wie ubuntu geht – glaube ich – nicht mehr.
November 15, 2009 um 4:59
>>Die (verdammt kurze) Liste der neuen Funktionalitäten der dieser Version von MacOS verdeutlicht:<<
Ich glaube bei Apple kann sich keiner lässig zurücklehnen, die Gefahr, eingeholt zu werden ist zu groß. Das das Betriebssystem mal unter der Oberfläche optimiert wurde ist Apple nur zu Gute zu halten.
Man muss sich ja nicht alles gefallen lassen, bzw. den Kunden wird der Gedultsfaden auch mal reißen. Ich sehe da das Spiel von Apple positiver, als das von Microsoft.
Linux hingegen muss noch wachsen. Vor allem im Look & Feel. Ich glaube das neue KDE ist da schon ein richtiger Schritt. Aber es fehlt noch mehr an Eigenständigkeit.
Geschlossene Plattformen sind überall zu sehen. Bei anderen Telefonherstellern, sowie bei Sony, die PSP ist dicht gemacht worden. Jedesmal so gut es geht. Google geht zwar dagegen, aber da müssen sich die Telefone noch weiter entwickeln.
Da noch solch erfolgreiche Unternehmen auf Einnahmen angewiesen sind und nicht auf Gleichheit (Google macht es ja auch nur wegen dem Geld) wird es noch so weiter gehen, bis ein gesamtgesellschaftlicher Paradigmenwechsel vollzogen wird.
Path Finder ftw, es hat mich hier her geführt ^^