Ubuntu One, der Cloud-Servce von Canonical, wird ja häufig mit Dropbox verglichen (und für schlechter befunden). Ich kenne Dropbox nicht. Als ehemaliger Mac-Nutzer denke ich zunächst an die iDisk-Funktion, die Apple schon vor neun Jahren als Teil der iTools-Services eingeführt hat. Mac.com-Mailadressen, eine eigene Mac.com-Homepage und die iDisk-Netzfestplatte. All das hatte Apple damals kostenlos angeboten. Ich war schwer begeistert. Das iTools-Highlight war definitiv die iDisk. Dummerweise waren die WebDAV-Server für Nutzer in Europa ziemlich langsam. Aber solange der Service kostenlos war, konnte man das tolerieren. Es war ja auch gerade erst das Jahr 2000 angebrochen. Computer und DSL-Zugänge waren eben auch noch etwas langsamer. Zwei Jahre später wurden die iTools in .Mac („Dot Mac“) umgetauft und wollte Apple Geld dafür haben. Ich war damals Student und wollte mir das nicht leisten.
Das iDisk-Konzept, eine fest mit dem Desktop verknüpfte Web-Festplatte, finde ich aber weiterhin sehr reizvoll. Und natürlich hatte ich mich vor einiger Zeit dann auch für den Beta-Test von Ubuntu One angemeldet. Vor einer Woche kam etwas verspätet auch eine Einladung von Canonical zurück.

Ubuntu One integriert sich gut in den GNOME-Desktop. Vorbildlich: Alle Kopiervorgänge über das Internet laufen komplett im Hintergrund ab.
Um es vorweg zu nehmen. Die Online-Festplatte funktioniert super. Sie wird als Ordner „Ubuntu One“ in meinem Home-Verzeichnis angezeigt. Wenn ich eine Datei in diesen Ordner ziehe, dann sehe ich das Ergebnis sofort. Das Angenehme: Der (möglicherweise langwierige) Kopiervorgang läuft komplett im Hintergrund. Viel mehr gibt’s zu Canonicals Web-Festplatte eigentlich kaum zu sagen.
Wirklich ungewöhnlich fand ich die Art der Installation. Eine der ersten Dinge, die mir als Neu-Linuxer an Ubuntu damals gefallen hat, war die Paketverwaltung. Installation und Deinstallation mit einem Knopfdruck. Kein wildes Rumklicken auf irgendwelchen Download-Seiten mehr. Super. Etwas umständlich fand ich es bislang aber immer, dem Paketmanager neue Paketquellen bekannt zu machen. Man muss manuell die neuen Quellen-URLs, als auch die GPG-Schlüssel hinzufügen. Nicht wild. Aber es geht einfacher.

Installation in zwei Schritten: (1) Neue Paketquelle hinzufügen und (2) mit einer "apt:// Adresse" Ubuntu One laden
Auf der Installationshomepage von Ubuntu One gibt’s zwei Buttons. Ein Klick auf den ersten („Add PPA“) installiert die Paketquellen samt zuhörigen GPG-Schlüssel. Das Ubuntu-Team hat Paketquellen und GPG-Schlüssel in eine .deb-Datei gepackt. Eine sehr schöne Lösung, die ich so noch nicht gesehen hatte.
Die eigentliche Installation wird mit dem zweiten Button („Install“) gestartet. Der Install-Button verlinkt auf eine apt:// Adresse. Firefox leitet diese Anfrage (apturl) an den Paketmanager weiter. Auch sehr elegant. Man könnte fast sagen, dass die Installationsmethode von Ubuntu One innovativer ist, als die Software selbst.

Schlüssel und Paketquelle mit einer .deb-Datei installieren - das kannte ich so nicht.
Kurzer Exkurs: Ich habe einen DSL-Anschluss von 1&1. Vor ein paar Wochen ist mir (im Grunde zufällig) aufgefallen, dass zum Umfang des DSL-Anschlusses auch eine Online Festplatte gehört – Kapazität 115 GB. Die Platte läßt sich per WebDAV (https://sd2dav.1und1.de) auf dem Desktop als Laufwerk mounten. Das also nur ganz kurz, um die Konditionen von Ubuntu One in Perspektive zu setzen. Canonical will 120 Dollar für 10 GB Speicher haben. Das ist wirklich zu viel. Mein DSL-Anbieter gibt mir 15mal so viel Speicher als Dreingabe für einen Breitbandanschluss. Es ist ja nicht so, als wäre ich nicht bereit für Services im Netz Geld zu bezahlen. Flickr kriegt auch 25 Dollar im Jahr von mir. Aber in diesem Bereich liegt auch irgendwo die Grenze dessen, was ich für einzelne Cloud-Dienstleitungen bereit bin zu zahlen.
Dennoch ist die Entwicklung von Ubuntu One ganz viel versprechend. Der Client ist ja Open Source. Vielleicht entwickelt ein schlauer Programmierer mal eine Version von Ubuntu One, die sich mit jedem x-beliebigen WebDAV Server vesteht. Nautilus könnte eine Funktionalität, die langwierige Kopierprozesse über das Netz in den Hintergrund schiebt, gut gebrauchen.
Schlagworte: .Mac, Apple, apturl, iTools, MobileMe, Ubuntu, Ubuntu One, WebDAV
Juli 9, 2009 um 9:02
mit der neuesten firmware der fritzbox 7270 kannst du auch nen netzwerkspeicher auf einem usb-stick einrichten, der sich automatisch mit dem 1&1-smartdrive synchronisiert. klappt auch mit mehreren fritzboxen an unterschiedlichen standorten, allerdings ist die übertragungsrate vom usb-stick ins lan/wlan etwas träge, verglichen mit andern nas-systemen.
ahoi.
November 1, 2009 um 1:49
Seit der gestrigen Installation von 9.10 erfreue ich mich auch der zentralen Internet-Festplatte und bin wieder restlos begeistert, wieviel Stabilität und Intuitive Benutzbarkeit in Ubuntu steckt. Durch die Synchronisation im Hintergrund läuft es wie von Zauberhand… echt genial! Für die wichtigsten Klamotten sollten 2 GB reichen.