Bald gibt es dieses Blog schon ein Jahr. Die Bilanz meines Umstiegs von MacOS X zu Ubuntu Linux rückt näher. Vor den Hintergrund habe ich mir meine Liste mit Linuxalternativen angesehen. Auf dieser Liste gibt es ja immer noch eine ganze Menge Leerstand. Den will ich jetzt versuchen bis zur Jahresbilanz noch etwas zu verkleinern. Ich fange mal an mit dem Mac-Systemprogramm Bluetooth File Exchange.
Es gibt auch einen aktuellen Anlass. Seit ein paar Tagen kann man die Firmware 3.0 für iPhone und iPod touch installieren. Als Update-Junkie habe ich das mit meinem iPod touch natürlich auch sofort gemacht.

Warum findet der blöde iPod touch meine anderen Bluetooth-Geräte nicht?
Nach der Installation von 3.0 erstmal alles Durchklicken (oder sagt man „Durchflicken“ oder „Durchtouchen“?) … Auf den ersten Blick findet man wenig Neues. Aber unter „Settings/General“ gibt’s plötzlich Bluetooth. Wow. Ich bin völlig geplättet. Ein Software-Update und mein MP3 Player kann plötzlich Bluetooth? Der Umkehrschluss: Das Teil hatte natürlich schon seitdem ich es gekauft habe einen Bluetooth-Funkchip eingebaut. Apple hat diese Funktion schlicht und einfach nicht dokumentiert. Und das iPhone-OS ist so closed, dass auch Anwendungsentwickler keine Ahnung hatten, dass der iPod touch einen Bluetooth-Chip hat. Das ist ja mal wieder eine Nachricht, die meinen Widerwillen gegen die Geschäftspraktiken rund um das iPhone nachhaltig bestätigt.
Nur am Rande: Natürlich ist die Bluetooth-Funktionalität nicht im vollen Umfang aktiviert worden. Der iPod touch findet weder meinen Computer noch mein Handy. Und umgekehrt iPod ist sichtbar, läßt sich aber für Dateitransfer oder ähnliches nicht nutzen. Ich hatte auch kaum etwas anderes erwartet.
Dieser Ärger über die iPhone Firmware 3.0 – ich könnte mich noch seitenlang darüber aufregen – hat bei mir das Thema Bluetooth nochmal auf die Tagesordnung gebracht. Ich nutze die Bluetooth-Implementierung in Nautilus, dem GNOME-Dateimanager, schon seit langem. Wenn ich nicht vor Beginn dieses Blogs die am häufigsten Mac-Programme für meine Liste mit Linuxalternativen zusammengestellt hätte, dann wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen einen Beitag über Dateiaustausch via Bluetooth zu schreiben. Aber auf dieser Liste steht nun mal Bluetooth File Exchange.

Bluetooth File Exchange ist unter MacOS X ein eigenständiges Programm - warum diese Funktion nicht in den Finder integriert wurde, ist mir ein Rätsel
Das Bluetooth-Protokoll für den „Object Exchange“ (OBEX) ist unter MacOS X nicht so gut eingebunden wie etwa WebDAV oder SMB. Für den Dateioperationen über Bluetooth gibt es ein eigenes kleines Programm: Bluetooth File Exchange. Ich hatte mich zu Mac-Zeiten schon gefragt, warum diese Funktionalitäten nicht ganz normal in den Finder eingebunden werden. Unverständlich. Nicht falsch verstehen: Bluetooth File Exchange funktioniert gut. Es geht aber auch eleganter.

GNOME mountet Bluetooth Geräte (in der Regel Handys) einfach als Laufwerk im Dateimanager
Siehe Ubuntu: Hier muss man einmalig Telefon und Computer einander bekannt machen („Pairing“). Dafür gibt es den GNOME Bluetooth Device Wizard. Den ruft man mit einem Rechtsklick auf das Bluetooth-Symbol im oberen Panel auf. Auf dem Handy muss man die PIN eingeben, die der Device Wizard für das Pairing generiert hat. Fertig.

"Browse files on device..." mountet das Handy als Laufwerk
Von nun an kann man mit „Browse files on device…“ das Telefon als Laufwerk mounten und mit Nautilus durchsuchen – genau wie eine Kamera oder einen USB Stick. Das läuft völlig problemlos. Ein ganz anderes Problem sind die Intergration anderer Bluetooth Profile, wie etwa SYNC (für den Datenabgleich) oder DUN um ein Handy als Modem zu benutzen. In diesen Bereichen hat MacOS X definitiv die einfacheren Lösungen (z.B. iSync). Aber dazu ein anderes Mal. Im Bereich Bluetooth-Dateiaustausch geht der Punkt in jedem Fall an Ubuntu.
Ergänzung: Beim Schreiben dieses Artikels habe ich in meinem RSS-Reader gerade gelesen, dass das glorreiche Dev-Team seinen resn0w-Unlock für das iPhone OS 3.0 herausgebracht hat. Respekt. Das war ja fast zeitgleich mit der Veröffentlichung der Firmware durch Apple. Vielleicht machen sich ein paar Hacker dran, die halbherzig implementierten Bluetooth-Funktionen auszubauen.
Schlagworte: Apple, Bluetooth, Firmware 3.0, iPhone, iPod touch, Nautilus, Ubuntu