Meine erste Neu-Installation

By byebyeapplecomputer

Ich hätte nicht gedacht, dass mein letzter Artikel – der zum Thema Backup – so schnell relevant für mich werden würde. Auf meiner Back In Time Festplatte liegen eine handvoll vollständiger Sicherheitskopien. Die aktuelleste von vorgestern abend. Und die wollte ich gleich mal zurückspielen. Was ist passiert? Ich habe mein System neu installiert. Eine Premiere. „Premiere“? – das hört sich jetzt doch zu feierlich an. Tatsächlich war es so: Es gab einen kleineren Zwischenfall. Kein Gau, nichts schlimmes. Aber nach dem Upgrade von Ubuntu 8.10 zu 9.04 startete mein Mail-Programm Thunderbird nicht mehr. In der Prozessliste starteten thunderbird und thunderbird-bin, aber auf dem GNOME-Desktop passierte nichts. Die naheliegenden Lösungen wie das Neuanlegen eines Profils oder das komplette De- und Neu-Installieren von Thunderbird halfen nicht. Auch via Google und Co. habe ich noch nichs über dieses Problem und seine Lösung rausfinden können.

Im System Monitor wird Thunderbird als gestartet angezeigt. Aber GNOME zeigt kein Programmfenster an.

Im System Monitor wird Thunderbird als gestartet angezeigt. Aber GNOME zeigt kein Programmfenster an.

Dann also Neu-Installation. Mein erstes Mal. Vorher nochmal kurz ein paar Stichprobentests. Sind die Fotos alle schön auf der verschlüsselten Backupplatte? Ist mein Dokumentenordner wirklich vollständig? Und so weiter. Alle Dateien waren an ihrem Platz. Back In Time hatte gute Arbeit geleistet.

Vor der Installation habe ich dann auch nochmal gecheckt, ob meine kleine Post-Installationsanleitung auch vollständig ist. So ein Anleitung kann ganz hilfreich sein. Darin hatte ich mir alle Konfigurationsschritte notiert, die ich seit meiner ersten Installation gemacht habe. Da kann ich dann zum Beispiel nachlesen, wie ich die räumliche Dateiverwalung in GNOME aktiviere, welche Programme und Pakete ich nachinstalliert habe, dass ich Musictracker-Plugin für Pidgin brauche, wie ich mit einem Passwort alle Partionen auf einmal entschlüssle – und so weiter. Die Liste war vollständig. Es kann losgehen.

Während der zugegebenermaßen recht kurzen Installtionroutine von Ubuntu habe ich mich gefragt, wie häufig so eine komplette Neu-Installation unter Linux wohl notwendig ist. Unter Windows gehört das ja quasi mit dazu, dass man immer mal wieder alles frisch installiert. Mein alter Mitbewohner J. hat zwar darüber gestöhnt, war immer völlig begeistert, wenn er ein frisches System auf die Platte gespielt hatte. Ich kanns schlecht schätzen, aber vermutlich alle 18 Monate war das bei ihm der Fall. Und bei mir? Von MacOS 7.5 bis MacOS X 10.3 habe ich auch immer mal wieder alles gelöscht und neu-installiert. Im Schnitt auch alle 12 bis 18 Monate. Das ist ganz schön häufig und war auch längst nicht immer wirklich notwendig. Aber als Student hatte man auch wirklich viel Zeit für so einen Quatsch – MacOS X 10.4 und 10.5 habe ich gar nicht mehr neu installieren müssen – das liegt sicher am Ende des Studiums, und nicht an der (zugegebenermaßen) höheren Stabilität von „Tiger“ und „Leopard“.

Der Vorteil dieser hohen Frequenz an MacOS Neu-Installationen während des Studiums war: Ich habe Routine entwicklt. Nur ein/zwei Stunden benötigte ich für die Neuinstallationen eines System, für das ich einige jahre zuvor noch einige Tage an Nachjustierungen gebraucht hätte. Aber das ist ja nun auch Vergangenheit. Mit meiner ersten Ubuntu Neu-Installation beginnt aufs neue ein Lernprozess. Um den zu verkürzen, hatte ich die oben erwähnte Post-Installationsanleitung angelegt.

Im Anschluss an die Basisinstallation habe ich zunächst Thunderbird, ZSNES, World of Goo, Back In Time und eine Handvoll anderer Programme nachinstalliert. In der Theorie müsste ich jetzt einfach die Inhalte aus dem Home-Ordner des letzten Backups in meinen frischen Home-Ordner ziehen und gut ist. Denn die meisten Desktop-Programme speichern ihre Konfigurations-Dateien im Home-Verzeichnis. Und zwar in „versteckten“ Ordnern, die man im Nautilus Dateimanager nur mit Strg-H angezeigt bekommt. Nautilus blendet alle Dateien und Ordner, deren Name mit einem Punkt (.beispiel) beginnen, erstmal aus.

Und jetzt kommt mein Anfängerfehler. Beim Prüfen des Backups war mir nicht aufgefallen, dass Back In Time keinerlei versteckte Dateien sichert. In dem Moment, in dem ich das bemerkt hatte, ist mir fast schlecht geworden. Sch####! Mein komplettes Adressbuch ist weg, ebenso mein Geburtstagskalender (und nicht zu vergessen: Meine Wold-Of-Goo Savegames!). Ein kurzer Blick in die Back In Time Konfiguration und ich hatte den Fehler gefunden. Unter Exclude steht da standardmäßig „.*“. It is not a bug, it’s a feature!

Kleine Warnung an alle Back In Time Nutzer: Das ".*" muss hier raus!!

Kleine Warnung an alle Back In Time Nutzer: Das ".*" muss hier raus!!

Ich hatte noch ein Mac-Backup aus dem Juni – zehn Monate alt! Einen Großteil der Adressen konnte ich beispielweise einigermaßen wiederherstellen. Genauso die Ratings und Playcounts aus iTunes. Es bleibt die 10 Monate Lücke. Keine Chance für meine World of Goo Savegames. Aber es gibt schlimmereres, als Goo nochmal durchspielen zu müssen. :-)

Im Grunde habe ich in den vergangenen zwei Tagen all die Sachen nochmal gemacht, die ich seit Juli 2008 hier im Blog auch dokumentiert habe. Und an diesem Punkt komme ich nochmal auf meine Post-Installationsanleitung zurück. Diese Anleitung anzulegen hat sich für mich wirklich gelohnt. Ich hatte zwei Abende geopfert, bis alles wieder so war wie zuvor. Das hörts ich vielleicht viel an. Aber ohne meine Liste hätte mich das sicher etliche Stunden mehr gekostet. Angefangen hatte alles mit einer nicht reparablen Thunderbird Installation. Hätte ich gewusst … Naja. Geschenkt. Ich habe eine Lektion gelernt. Hoffentlich hilft mein Bericht hier dem ein oder anderen, Fehler dieser Art zu vermeiden.

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3 Antworten zu „Meine erste Neu-Installation“

  1. mRiesbeck sagt:

    Das mit den versteckten Dateien kann echt ein riesiges Problem werden. Sollte man dem Programmierer mal als Vorschlag mailen, dass „.*“ im Standard rausgenommen wird.

    Machst Du… oder soll ich ? ;-)

    Gruss Mike

  2. byebyeapplecomputer sagt:

    Ich hab gestern Dan Oprea von Back In Time in sein Forum geschrieben, dass das „EXCLUDE .*“ ein Problem ist. Er will die versteckten Dateien als Default aber auch weiterhin ausgeblendet lassen. Er schreibt am 12.5. unter backintime.le-web.org/comments:

    The problem with ‘.*’ is that sometimes it means a lot of temporary/cache files so you may end-up with a huge snapshot. You can add ‘.thunderbird’ folder to include folders and still exclude ‘.*’ (include has bigger priority than exclude).

    Kann man schon verstehen seine Begründung. Ich hab das „.*“ bei mir aber aus den EXCLUDEs entfernt. Das schien mir die sichere Variante zu sein.

  3. mRiesbeck sagt:

    Naja, sicherer fänd ich’s schon das rauszulassen.

    Das erste, was ich gemacht hatte war auch die .* Dateien einzubinden und Ordner wie .thumbnails oder .firefox (wegen Cache) auszuschliessen.
    Firefox Lesezeichen synce ich eh mit XMarks.

    Wie auch immer. Das Prog ist geil :-)

    Gruss Mike

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