Mein Erstkontakt mit Linux ist ungefähr ein Jahr her. Schon sechs Monate bevor ich dieses Blog über den Ubuntu Linux Switch gestartet habe, hatte ich eine andere, unbekanntere Linux Distribution angetestet: Maemo. Wenn ihr das nicht kennt… keine Schande. Maemo ist das Linux, mit dem Nokia seine Internet Tablets ausliefert. (Die Nokia Internet Tablets sind so eine Art Linux Smartphone, ohne die Telefonfunktion – ein Minicomputer quasi.) Ich hatte mir Anfang Februar 2008 ein Nokia N810 Internet Tablet gekauft. Den Gedanken einen iPod touch zu kaufen hatte ich nach einigem Hin und Her verworfen. Das iTunes-iPod-Universum erschien zu hermetisch. Ich wollte ein freies System. Leider waren meine Erfahrungen mit Maemo auf dem N810 sehr enttäuschend. Nach weniger als zwei Monaten war das Ding wieder verkauft.

Sofort wieder verkauft - mein N810 (Foto aus meiner eBay Artikelbeschreibung, April 2008)
Schade eigentlich, denn in der Theorie ist das N810 besser und vielseitiger als ein iPod touch: Das Touchscreen Display ist besser aufgelöst (800×480 Pixel). Das N810 hat GPS, Bluetooth, eine Webcam, einen SD-Kartenleser und ein Micro. Alles Features, die ein iPod touch nicht hat. Und neben der Finger und Stifteingabe kann man das Internet Tablet auch noch über eine kleine Tastatur bedienen. Die Praxis sah aber anders aus. Weder Tastatureingabe noch Stifteingabe, noch die direkte Fingereingabe funktionieren. Der Touchscreen des N810 ist unglaublich träge. Der Mozilla Browser lahm. Kaum ein Maemo-Programm schien mir an eine Touch-Oberfläche angepasst gewesen zu sein. Die einzige Ausnahme war der Mediaplayer Canola aus dem OpenBossa Lab. Und dann GPS. Meine Güte wie langsam. Bis das N810 seine drei oder vier Peilsatelliten gefunden hat, kann schon mal eine Viertelstunde vergehen. Als Nutzer eines derart wenig ausgegorenen Systems fühlt man sich wie ein Testkaninchen. Ein Alphatester, der dafür auch noch 400 Euro hinlegt.
Wenn man einmal für ein paar Minuten auf einem iPhone / iPod touch herumgetippt hat, dann kann man ein N810 nicht mehr wirklich ernst nehmen. Zu groß sind die Unterschiede im Hinsicht auf die Usability. Auf dem N810 laufen ein paar leidlich angepasste Linux-Programme, von denen keines den von Apple vorinstallierten Programmen wie Safari, Maps, YouTube und Co. standhalten kann. Hinzu kommt noch der AppStore für iPhone / iPod touch. Der quillt über von kleinen speziell für diese Plattform angepassten Programmen. Zu meinen ersten Downloads zählte beispielsweise das Spiel Rolando (ngmoco) und der Internetradio-Empfänger Tuner von Nullriver. Beide Programme kann ich nur weiterempfehlen…
Ok. Moment mal. Heißt dieses Blog nicht „Bye-bye Apple Computer“? Hat sich der Autor dieser Beiträge hier tatsächlich einen iPod touch gekauft? Yup. Das stimmt. Die Erfahrung mit dem Nokia N810 hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass der iPod touch in der Klasse der ultraportablen Web- und Multimedia-Geräte eine Ausnahmestellung hat. Ich habe noch kein Gerät gesehen, dass dem iPod touch Konkurrenz machen könnte. Ich wollte so ein Gerät. Also – Blog hin oder her – habe ich mir einen iPod touch gekauft.
In der Geräteklasse Personal Computer sieht die Situation anders aus. Hier hat Apple seine Sonderstellung verloren – oder vielleicht auch nie wirklich inne gehabt. Im PC Bereich gibt es Alternativen. Hier haben Ubuntu, Red Hat und Co. eine Menge an hoch motivierten Entwicklern. Die Teams von GNOME und KDE entwickeln visionäre Software. All das fehlt der Maemo Plattform (Nokia) leider.
Mein Idealismus hält sich offensichtlich in Grenzen: Das ist er also nun der iPod touch. Alles funktioniert wunderbar. Bis auf den Abgleich mit Linux! Apple hat den iPod touch hermetisch verschlossen. Das Gerät kommuniziert ausschließlich mit iTunes. Das mobile iTunes touch kontrolliert anhand von verschlüsselten Hash-Infos, ob die MP3-Dateien von einem legitimen Programm – sprich vom PC/Mac iTunes in das Musikverzeichnis des iPods geschrieben wurden. Dateien, die nicht Hash verifiziert sind, werden einfach ignoriert. Das ist ja schon mal völlig bescheuert. Hinzu kommt noch eine weitere Hürde. Man kommt gar nicht erst an dieses ominöses Musikverzeichnis ran. Der iPod touch der zweiten Generation hat das DRM schon auf Hardware Ebene eingebaut. Ein Boot-ROM Chip überprüft die Signatur des allerersten Stück Codes, das ausgeführt werden kann – die Signatur des Bootloaders. Apple verwendet sehr viel Mühe darauf sein System geschlossen zu halten. Dieses Verfahren scheint ziemlich schwer zu knacken zu sein. Für die erste Generation von iPod touch gab es noch einen Jailbreak. QuickPWN funktioniert mit Generation zwei leider nicht mehr – hab’s natürlich probiert. Fürs erste bleibt mir nur die Alternative auf die redsn0w-Software des Dev Teams zu warten.
In der Zwischenzeit kann ich mich mal wieder über Apple ärgern. Wenn Apple den Macintosh im Jahr 2009 erfunden hätte, dann wäre dessen Systemarchitektur sicher eher mit der einer Playstation 3 vergleichbar, als mit der eines offenen Systems, wie es der Personal Computer ist. Es gibt ja Vermutungen oder besser Befürchtungen, dass Apple in MacOS X auch einen AppStore integrieren könnte. Wenn das kommt, dann können sich iMac Besitzer warm anziehen. Apple wird es sich nicht nehmen lassen, einen Mac AppStore mit FairPlay dicht zu machen. Ich bin froh bei meinem Schreibtischrechner auf Apple verzichten zu können. Leider ist die freie Software im Segment der ultramobilen Geräte (Stichwort „N810″) noch nicht so weit. Und das ist der Grund, warum ich jetzt doch einen iPod touch besitze.
Schlagworte: Apple, FairPlay, iTunes, Ubuntu, Linux, iPod touch, Nokia, Internet Tablet, N810, Jailbreak, redsn0w, QuickPWN, Maemo, Rolando
Februar 8, 2009 um 6:20
The Paradox of choice
choice has made us not freer but more paralyzed, not happier but more dissatisfied – Freiheit hin oder her! man ist nicht glücklicher! manche können dir Apple Users nicht verstehen!
Empfehlung: http://www.ted.com/index.php/talks/barry_schwartz_on_the_paradox_of_choice.html
Februar 8, 2009 um 7:00
Das Schwartz Video ist echt interessant. Zuviel Auswahl macht das Leben nicht leichter. Aber Du willst doch nicht wirklich auf die Freiheit der Wahl verzichten????? Das ist mir doch zu sehr Nordkorea Style.