Ich bin kein leidenschaftlicher Spieler. Wie denn auch? Ich hatte ja bislang einen Macintosh und Apple ist ja nun nicht gerade dafür bekannt sich besonders intensiv um Spiele-Entwicklung zu kümmern. Auf dem iPhone sieht das ein wenig anders aus. Aber unter MacOS X gibt es, wenn man Glück hat, verspätete und schlechte Portierungen von Windows Spielen. Oder wenn man Pech hat, muss man sich das Spiel eines der wenigen Mac-Publisher reinziehen: Bugdom 2 von Pangeasoft zum Beispiel. Gähn.
Sonderlich gestört hatte mich das bislang aber nicht. Ich bin sowieso eher Spielertyp „Retrogamer„. Mir reicht ein vernünftger Emulator fürs Super Nintendo. Das ist die Videospielkonsole, vor der ich als Schüler Zeit verbracht habe. Street Fighter 2, Contra III, Super Mario Kart, Super Mario World. Herrlich, oder?
Schon auf meinem alten blauen G3-Mac hatte ich deshalb Snes9x installiert. Ein prima Programm. Fast alle Super Nintendo Spiele laufen, ich kann meine Gamepads anschließen. Schönes Detail: Snes9x hat eine ziemlich gute Kantenglättung. Das ist sehr notwendig. Die Originalspiele haben eine Auflösung von 256×224 Pixel. Ohne Kantenglättung kommt das in HD nicht so gut.
In diesem Blog beschreibe ich den Systemwechsel MacOS X zu Ubuntu Linux. Spieletechnisch ist das ein das ein typischer Fall von „Von Regen in die Traufe“. Auch unter Linux ist das Spieleangebot ziemlich mies. Macht nix, solange ich meine guten alten Super Nintendo Spiele noch zum laufen bekomme. Also los: Im Ubuntu „Applications“-Menü finde ich unter „Add/Remove …“ den Emulator ZSNES. Häkchen setzen und installieren.
Beim Start von ZSNES bekomme ich zunächst einen kleinen Schock. ZSNES ist definitiv kein GNOME Programm. Das Interface ist grauenhaft! Weiße Schrift auf blauem Untergrund. Ein eigner klobiger Mauszeiger. Ich muss da sofort an schlimme Benutzeroberflächen aus den 1980er Jahren denken. Amiga Workbench, oder C64 GEOS. Dann wiederum ist es ja auch irgendwie konsequent. Wenn man schon einen Emulator für eine Konsole programmiert, die es schon lange nicht mehr zu kaufen gibt, dann sollte die GUI vielleicht auch nostalgische Gefühle wecken. Ob das eine gute Idee ist?

Schock/Überraschung: Das ZNES-Interface (rechts) überträgt den Gedanken Retrogaming auch auf das User Interface. Eine gute Idee? Auf der linken Abbildung ist der Preferences-Dialog von Snes9x unter MacOS X zu sehen .
ZSNES erkennt mein altes Gravis Gamepad Pro sofort. Meine Sorge auf Treibersuche gehen zu müssen war unberechtigt. Es kann also losgehen. Super Mario World. Dann die erste Enttäuschung. Kein Ton. ZSNES muss unter Ubuntu einmalig mit dem Befehl
zsnes -ad sdl
aus dem Terminal heraus ausgeführt werden. Danach kann man es ganz normal über das Applications-Menü starten. Das habe ich auf Ubutuforums.org nachgelesen. Das Problem ist, dass es unter Linux viel zu viele Multimedia Frameworks gibt. Alle haben linuxtypisch kryptische Namen: ALSA, OSS, SDL etc. (… im 0pointer-Blog habe ich einen schönen Artikel zu dem Thema gefunden.) ZNES muss erst einmal gesagt bekommen, dass es SDL benutzen soll. Das ist der Zweck des Terminalstartbefehls. Unter MacOS X gibt’s nur QuickTime Audio – und fertig. Monokultur kann auch Vorteile haben.
Zurück zum Thema: Wenn man ein Super Nintendo ROM erst einmal gestartet hat, dann spielt es sich sowohl unter Snes9x (Mac) und ZSNES (Linux) gleich gut. Grafik, Sound und Gameplay sind quasi identisch. Ich bin persönlich immer völlig erstaunt, wie genau ich die einzelnen Level von Super Mario World immer noch kenne. Auch 16 Jahre später sitzen die Reflexe noch. Ist das jetzt unnützes Wissen? Ich würde sagen nein.
Schlagworte: MacOS X, SNES, SNES9X, Super Mario World, Super Nintendo, Ubuntu, ZSNES

