Firefox statt Safari

By byebyeapplecomputer

Was muss ein Webbrowser können? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Es gibt eine ganze Menge an Aspekten, die in die Bewertung einfließen müssen. Letztendlich führt dann die persönliche Gewichtung dieser Aspekte zu einer individuellen Entscheidung. Das kommt Ihnen bekannt vor? Ja genau. Genauso müssen Sie auch Für und Wider abwägen, bevor Sie ein neues Betriebssystem installieren (das Thema dieses Blogs). Internetbrowser sind mittlerweile das wichtigste Stück Software, das sich auf einem PC befindet. Nachrichten lesen, YouTuben, Kontostand prüfen, Fotos sortieren, E-Mails schreiben – alles im Browser. Wenn es nach Google geht, ist das sogar erst der Anfang.

Im Vergleich zu MacOS X gibt unter Linux mehr Alternativen. Wikipedia listet für Linux/Unix 30 Webbrowser. Als typischer Mac-Nutzer hatte ich bislang immer nur Safari benutzt. Und mit welchem Browser surfe ich jetzt auf meinem MSI Wind Netbook? Ubuntu installiert automatisch Firefox. Zu einer normalen GNOME Installation gehört eigentlich der Browser Epiphany. Den habe ich mir also per Add/Remove Applications nachinstalliert. Die anderen 28 Browser will ich mir nicht installieren – ich hab ja auch noch ein Leben.

Epiphany überrascht mich mit einer sehr schnellen Startzeit. Gefühlt braucht Firefox etwa doppelt so lange bis er einsatzbereit ist. Der Seitenaufbau ist bei beiden Programmen ähnlich schnell. Kein Wunder, denn Epiphany ist auch ein Browser aus der großen Mozilla-Familie. Bevor es weiter geht, muss ein Werbeblocker installiert werden. Das Internet mit der vollen Werbedröhnung ist ja so unerträglich wie Bild.de. Bei Firefox wird Adblock Plus installiert und bei Epiphany der Ad blocker, aus dem Extrapaket epiphany-extensions. Beide funktionieren gut.

Ctrl+Shift+Del = Private Daten löschen - Schön übersichtlich

Ctrl+Shift+Del = Private Daten löschen - Schön übersichtlich (Firefox)

Zum Thema Sicherheit: Webseiten abgelaufenen Zertifikaten – wie zum Beispiel das SSL-Zertifikat, das mein Arbeitgeber für sein Webexchange benutzt – werden bei beiden Browsern zunächst nicht angezeigt. Man kann aber Ausnahmen definieren. Das funktioniert bei beiden Browsern gleich gut – vermutlich also eine Mozilla-Funktion. Die Cookie-Verwaltung von Epiphany ist ziemlich unflexibel. Cpunk hat sich in seinem Blog schon auch damit herumgeärgert [1] [2]. Man kann über die Preferences nur „Always accept“, „Only from sites you visit“ und „Never accept“. Keine Blacklists (für Google etwa) und auch keine Whitelists (für dieses Blog hier zum Beispiel). Firefox ist da besser. Was mir auch sehr gut gefällt. Ctrl+Shift+Del öffnet im Firefox ein Auswahl Fenster, um „Private Daten“ zu löschen. Also Cookies, History, Passwörter, etc.. In diesem Fenster kann man auswählen, was genau man gelöscht haben will. In Epiphany gibt es kein „Clear Private Data“. Um die History zu löschen muss man die History aufrufen und um einzelne Cookies zu löschen zu Personal Data/Cookies. Und so weiter.

Unschön an Firefox finde ich die Passwortverwaltung. Nicht das Look-and-Feel. Sondern die Tatsache, dass Firefox ein eigenes Modul dafür hat. Völlig unnötig. GNOME hat einen zentralen Keyring für sowas. Ich bin ein Verfechter von zentralen Services innerhalb eines Betriebssystems. Dazu gehören auf der Datenebene neben Schlüsselbund, auch Adressbuch, Kalender. Aber ich will nicht abschweifen. Epiphany nutzt den Schlüsselbund. Ein Pluspunkt.

Die kleinste Navigationsleiste hat Safari (Mac)

Platzsparen für 1024x600: Die kleinste Navigationsleiste hat Safari (Mac)

Wenn man sich ein kleines Notebook kauft, dann hat man in der Regel ja auch einen kleinen Bildschirm. Binsenweisheit. Mein MSI Wind hat eine Bildschirmauflösung von 1024×600 Pixel. Bei so einer Auflösung gewinnt das Design des Nutzerinterfaces plötzlich eine große Bedeutung. Oder um es anders zu erklären: Das wichtigste am Browser sind die Webseiten und nicht die Navigationsleisten. Ich habe Screenshots von Safari, Epiphany und Firefox vermessen. Eindeutiger Sieger im Platzsparen ist die Safari-Navigationsleiste, unter MacOS X ist die Leiste 55 Pixel hoch, unter Windows 75 Pixel. Auf Platz Zwei: Firefox mit 89 Pixel und abgeschlagen auf Platz 3 Epiphany, 122 Pixel. Epiphany trennt die Navigationsleiste von der Adressleiste verschwendet so wertvollen Monitorplatz.

Von diesem Detail abgesehen finde ich dennoch, dass Epiphany gut designt ist. Sehr aufgeräumt und funktional. Da habe ich schon viel schlimmere Programme gesehen: Gimp, Open Office und ganz schlimm auch Evolution Mail! Grauenvoll. Aber dazu ein anderes Mal. Nochmal kurz zurück zum Thema Screen Estate: In der Praxis schränkt ja nicht nur die Navigationsleiste den Bildschirmplatz ein. Auch die Menüleiste des Betriebssystems und die Taskleiste und das Dock können auf kleinen Monitoren störend groß sein. Wenn man diese Faktoren mit einbezieht, dann schneidet Safari unter MacOS X trotz seiner 55 Pixel Navigationsleiste schlecht ab. Im direkten Vergleich bleibt hier erstaunlich wenig Platz für den Hauptinhalt. Zudem hat Mac Safari keinen Vollbildmodus. F11 – Ein Funktion die ich bis zum Kauf meines Netbooks noch nicht vermisst hatte. Das alles gilt wie gesagt nur für kleine Bildschirme. Das ist im Umkehrschluss zwar kein Freibrief für Gimp. Aber MacOS X mit Dock und Menüleiste ist auf großen Bildschirmen schon auch nicht schlecht.

Firefox (rechts) lässt am meisten Platz für die Webseite

Firefox (rechts) lässt mehr Platz für die Webseite

Ein Funktion, die wiederum auf großen Monitoren wichtig werden könnte, muss ich hier auch noch kurz erwähnen: Die Seitenskalierung (Ctrl +). Hier Kopiert Firefox eine Funktion die ich zum ersten Mal im Internet Explorer 7 gesehen habe. Statt nur die Schriften zu vergrößern, wird im Firefox (und im IE7) das gesamte Layout skaliert. Der Ergebnis sieht viel ausgewogener aus, als bei Safari und Epiphany.

Mein Fazit: Unter Ubuntu werde ich Firefox nutzen. Auf die kurze schnellen Programmstart von Epiphany bin ich neidisch und auch auf die schöne Integration des GNOME Keyrings. In den anderen subjektiv ausgewählten Kategorien punktet Firefox. Fürs Netbook besonders wichtig: Mit Firefox habe ich 30 Pixel mehr Platz auf dem Bildschirm.

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7 Antworten zu „Firefox statt Safari“

  1. Safari-Surfer sagt:

    Unter Mac OS X auf kleinen Bildschirmen, das Dock einfach nach rechts an den Rand und ausblenden. F11 Gibst für Safari zwar nicht, aber man kann mit ein wenig Bastelei die Menüleiste für Safari so einstellen, dass sich diese automatisch ausblendet (Präsentationsmodus).

    Aber um ehrlich zu sein, dieser Vollbild-Wahn bringt’s auch auf „kleine“ Bildschirmen nicht wirklich. ,-)

  2. Safari-Surfer sagt:

    Ebenfalls darf man nicht vergessen, dass man bei Safari keinen Fensterrahmen hat und man eigentlich sehr gut auf die Statusleiste (unten) verzichten kann. Somit lässt sich weiterer Platz einspart. =)

  3. Zaibatsu sagt:

    Noch mehr Argumente für FF: Plugins. Soviel bietet kein anderer Browser. (Das Argument ist so gewichtig, dass es für mehrere zählt ;) )

  4. Safari-Surfer sagt:

    Plug-Ins für eine Rennmaschine wie Safari sind in etwa das, was in Fuchsschwanz bei einem F1 Boliden wäre; Für manchen nett, aber nicht nötig.

  5. byebyeapplecomputer sagt:

    Mit den Erweiterungen ist das so eine Sache. Etwas zweischneidig. Zum einen bremsen Sie die Browserperfomance. Andererseits gibt es wirklich viele schöne Erweiterungen [1] [2] [3]. Mit denen kann man Firefox zu Super-Firefox werden lassen. Ich bin kein Fan von zu komplexen Programmen. Opera kann viel zu viel. Aber die Möglichkeit, seinen Browser mit einzelne Funktionen zu erweitern, finde ich gut. Man muss nur wissen, dass das auf Kosten der Darstellungsgeschwindigkeit gehen kann.

  6. Safari-Surfer sagt:

    Dem stimme ich gerne zu.

    Wenn man sich ehrlich der Frage widmet: „Was soll mein Browser alles können und benötige ich das wirklich?“, dann komme zumindest ich zu dem Ergebnis, dass ich sehr viele nicht benötige und bei mir zumindest die Performance und Schlichtheit vor geht. Die einigen beiden Erweiterungen die ich selbst unter Safari nütze sind Inquisitor und AdBlock.

    Grundsätzlich sind Plug-Ins jedoch nicht Schlechtes und ich war ja auch lange Zeit sehr zufriedener Firefox-Benutzer.

  7. bsod sagt:

    noch paar tips, um den firefox auf den kleinen bildschirm anzupassen (ich nutze hier einen eee der ersten baureihe mit 800×480px):
    - mit dem addon „tiny menu“ die menüleiste auf einen button reduzieren
    - buttons und adressleiste in die frühere menüleiste verlagern, lesezeichenleiste abschalten
    - das suchfenster kann „weg kommen“ – stattdessen „schlüsselwörter“ für die suchen verwenden
    - das theme classic compact macht das fenster noch ein stück kleiner
    - fission installieren, um die ladeanzeige in der adressleiste zu haben wie beim safari und dann die statusleiste abschalten

    sieht dann so aus: http://csieber1990.cs.funpic.de/bilder/screens/ffsmall.jpg
    (hier unter windows und mit minefield, aber das macht ja keinen großen unterschied)

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