Programme und Pakete installieren

By byebyeapplecomputer

Diesen Post könnte man auch wie folgt überschreiben: Der Einäugige erklärt hier jetzt mal seine Sicht auf die Dinge. Ich bin erst seit knapp zwei Wochen Linux-Nutzer. Es kann also gut sein, dass ich das hier falsch darstelle. Das nur vorweg.

Als demnächst ehemaliger Mac-Besitzer schätze ich an MacOX X eine Sache besonders. Die Installation neuer Programme ist auf dem Mac wirklich einfach. Schritt Eins: Kopiere die Programm-Datei in den Programme-Ordner (Drag and Drop). Schritt Zwei: Gibt’s nicht. Nur ganz wenige Softwarefirmen – kurioserweise auch Apple selbst – nutzen weiterhin eigene „Installer“, um Ihre Programme in Einzelteilen auf der Festplatte zu verteilen. Alle anderen Mac-Entwickler, die etwas auf sich halten, entscheiden sich mittlerweile für die Drag-and-Drop-Installation. Viel einfacher kann Installation und Deinstallation nicht werden.

Installation via Drag and Drop unter MacOS X

Installation via Drag and Drop unter MacOS X

Etwas unelegant ist beim Mac – im übrigen auch bei Windows – der Prozess der Softwareaktualisierung gelöst. Es gibt zwar einen zentralen Software Updatedienst. Über diesen Dienst werden aber nur Apple-Programme aktualisiert. Alle anderen Programme haben dafür eigene Mechanismen implementiert. Wer auf dem Mac schon mal eine Application Firewall installiert hat, kennt das Problem. Jedes noch so kleine Programm sendet Anfragen an seinen eigenen Update Server. Und wenn es eine neue Version gibt, dann muss man die alte Version mit Drag and Drop komplett ersetzen. Nur wenige Programme haben einen eingebauten intelligenten Updatedienst, der auch einzelne Module aktualisieren kann. Vielfach gibt es dann auch noch Probleme wenn User ohne Administrator-Rechte den Prozess anstoßen.

Softwareinstallation in Ubuntu

Softwareinstallation in Ubuntu

Und Ubuntu? Hier gibt es einen zentralen Software-Dienst: die Debian Entwicklung „Advanced Packaging Tool (APT)„. Über diesen Dienst kann man praktisch jedes nur erdenkliche Programm installieren, deinstallieren und updaten. Einzige Voraussetzung ist, dass das entsprechende Programm zuvor in einer Softwareliste (Repository) aufgenommen wurde. Die Ubuntu Distribution bringt eine umfangreiche Softwareliste mit. Wem das nicht reicht, der kann weitere Listen abonnieren.

Softwareinstallation mit "Add/Remove Applications"

Softwareinstallation mit "Add/Remove Applications"

Das „Advanced Packaging Tool“ ist Linux-typisch zunächst nur ein Kommandozeilen-Programm ohne Benutzeroberfläche. Unter Ubuntu gibt es dann zwei Wege über eine graphische Benutzeroberfläche mit APT neue Software zu installieren. Der einfachste: Ein Klick auf das Applications-Menü oben links und dort dann auf „Add/Remove…“. Es öffnet sich ein Programm, mit dem man Software nach Kategorien wie „Graphics“ und „Internet“ sortiert installieren kann. Nettes Detail: Jedes Programm wird hier relativ ausführlich beschrieben. In „Add-Remove Applications“ kann man aber nur einen Bruchteil der durch die Repositories tatsächlich zur Verfügung stehenden Pakete installieren. Spannender aber auch nerdiger wird es mit dem „Synaptic Package Manager“, den man unter System/Administration aufrufen kann. Hier warten 25.000 einzelne Software-Pakete auf die Installation.

Die Vorteile eines zentralen Softwaredienstes liegen auf der Hand. APT hält auf Wunsch alle Programme auf dem neuesten Stand. Der Nutzer hat so immer ein aktuelles System. Um mögliche Versionskonflikte und Kompatibilitätsprobleme kümmern sich diejenigen, die die Repositories pflegen. Der Installationsvorgang ist für alle Programme gleich: ein Häkchen in der Programmliste und „Installieren“ klicken. Das so komfortabel, dass Apple das Prinzip für die Softwareinstallation auf dem iPhone kopiert hat. Der einzige (aber fatale) Unterschied: Der App Store lässt seinen Nutzern nicht die Freiheit Repositories zu abonnieren oder abzubestellen. Bei Apple heißt es: Friss oder Stirb. Programme, die Apple nicht genehm sind landen sogar auf einer schwarzen Liste und werden via Internet von Apple auf den iPhones wieder gelöscht.

Der Synaptic Package Manager

Softwareinstallation Level 2: Der Synaptic Package Manager

Die einzige zunächst störende Umstellung, die es für mich nach dem Linux-Switch gab: Wenn man im Internet auf ein interessantes Programm stößt, dann macht es keinen Sinn sich zum Download-Bereich durchzuklicken. Dort gibt es zwar manchmal auch Linux Programme. Die von Hand zu installieren macht aber in der Regel keinen Sinn, weil das Programm dann ja aus der automatischen Softwareaktualisierung herausfällt.

Für alle, die es noch interessiert was ich bislang konkret auf meinem MSI Wind ge-APT habe: Allzu viel an Programmen ist noch nicht zusätzlich installiert. Skype, Cheese (das Linux PhotoBooth), Planet Penguin Racer (ein Game). Viel wichtiger war es zunächst ein paar Basisfunktionen unter Ubuntu zum Laufen zu bekommen, die nicht sofort Out-Of-The-Box funktionierten. Ein große Hilfe für den Einstieg war das MSI Wind Wiki. Hier die wichtigsten Schritte nach der Installation:

  1. Wireless LAN aktivieren
  2. „Sleep“-Modus einstellen
  3. Multimedia-Codecs installieren (Ubuntu wird aus rechtlichen Gründen unter anderem ohne MP3-Codec vertrieben)
  4. Arial, Times New Roman etc. nachinstallieren
  5. Mein Mobiltelefon als Bluetooth Modem aktivieren

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8 Antworten zu „Programme und Pakete installieren“

  1. Ringo sagt:

    Hallo:-)

    Ich bin über Deinen Artikel gestolpert, weil ich ebenso wie Du auch auf Linux wechseln, bzw. in meinem Fall Linux parallel zu Mac OS X betreiben möchte. Speziell habe ich nach einem Linux gesucht, was eine ähnlich komfortable Methode zur Softwareinstallation bietet, wie eben Mac OS X. Bislang habe ich mich mit dem Gentoo-Derivat Sabayon beschäftigt, das ja ein bereits von BSD und eben auch Mac bekanntes Ports-system verwendet. Hier heist das dann Portage. Funktioniert prinzipiell mal wunderbar, ist sogar unter Mac selbst lauffähig. Software wird auch unter Beachtung der zugrundeliegenden Hardware eingepasst und Konflikte und Abhängigkeiten werden selbsttätig aufgelöst. Das grosse ABER dabei ist: es dauert einfach grottig lang, wenn man ein neues Programm einspielt. Skype oder ein ähnlich kleines Programm einzuspielen, ist simpel und dauert auch nicht länger, als es von der Website herunterzuladen und zu installieren. Wenns aber Google Earth oder gar ein komplettes KDE mit allem Drum und Dran sein soll, kanns auch locker einen Tag dauern. Mich würde nun eben interessieren, welches Linux halbwegs kompatibel mit Formaten anderer Systeme wie Mac oder Windows ist und dabei eine flotte, sichere und komfortable Methode zur Installation von Software bietet, wie man das vom Mac gewohnt ist. Für hilfreiche Hinweise bin ich schon im Voraus Mega dankbar:-)

  2. byebyeapplecomputer sagt:

    Üblicherweise installiert man unter Ubuntu vorkompilierte Programme. Synaptics lädt sich die fertigen Programme einfach von den entsprechenden Servern – und fertig. Das schöne an diesem zentralen Dienst: Er kümmert sich anschließend auch um die Updates.

    Wenn die Installation eines größeren Programmpakets bei Dir sehr lange braucht, dann liegt das bestimmt daran, dass Du die Programme selbst kompilierst. In diesem Fall wird der Quellcode runtergeladen und dann fängt dein PC an zu rechnen.

    Ich habe selbst noch kein einziges Programm selbst kompiliert. Ich habe das Gefühl, dass es für Ubuntu alle relevanten Anwendungen schon als vorkompilierte Binaries gibt. Vielleicht ist das bei Sabayon anders. Vielleicht nutzt Du aber auch einfach exotischere Programme als ich.

  3. Ringo sagt:

    Hey, merci erstmal für Deine rasche Antwort:-)
    Naja, exotischere Software denks nicht. Irgendwelche Wunderdinge gibts für Sabayon ja auch nicht. Und im Grunde find ich die Idee von Gentoo geradezu genial, da über den Portage Tree die Frage der Updates auch gleich mitgelöst ist. Bei einem grösseren Programmpaket dauert eben dann auch das wieder eine kleine Ewigkeit. Es gibt da so lustige grafische Frontends wie „Spritz“, die dann tatsächlich so sarkastische Sätze hinschmeissen wie: „Das dauert jetzt eine Weile. Mach Dir doch einen Tee.“ oder „Das ist jetzt nicht so interessant. Schau doch mal aus dem Fenster. Scheint die Sonne?“. Du kannst Dir vorstellen, das es dann etwas länger dauern wird, wenn das Programm schon sebver mit solchen Messages kommt;-)
    Aber zurück zu meiner eingangs estellten Frage: Ein Linux mit einer simplen Drag & Drop Installationsmethode wie beim Mac gibt es auch? Oder muss ich mich von der Idee eines, wenigstens an der Oberfläche einfach funktionierenden Linux verabschieden und hinnehmen, das nach bald zwanzig Jahren Linux immer noch nur die Funktionalität und freie Konfigurierbarkeit im Vordergrund steht, während es sonst am Komfort und der Usability hapert? Wär sehr schade, da ich grundsätzlich ein grosses Potenzial bei Linux sehe.

  4. byebyeapplecomputer sagt:

    Also ich finde die Linux-Methode über „Add/Remove Applications“ wesentlich benutzerfreundlicher als das „Downloadseitesuchen-Runterladen-Diskimagemounten-DragAndDrop“ auf dem Mac.

    „Add/Remove Applications“ ist so eine Art iPhone App Store für Linux. An dieser Stelle funktioniert Ubuntu meiner Erfahrung nach völlig reibungslos.

    Ganz allgemein würde ich aber sagen, dass MacOS X als Desktop System nach wie vor der Gold Standard in Sachen Usability ist. Ich habe aber auch den Eindruck, dass die Desktop Linuxsysteme mit großen Schritten aufholen.

  5. Ringo sagt:

    Dasist es ja, was mich nach wie vor noch beim Mac hält:-) Ich bin ja nicht unwillig zu lernen, nur soll sich das auch lohnen. Ich steige sicher nicht auf etwas um, wenn es sich dann als schlechter herausstellt. Auch dann nicht, wenns gratis ist;-) Welches Linux würdest Du denn empfehlen und warum?:-)

  6. byebyeapplecomputer sagt:

    Ich kann Dir keine Empfehlung für ein Linux geben. Ich kenne bislang nur Ubuntu und bin selbst ein absoluter Neuling in der Linuxwelt (nach 13 Jahren MacOS). Meine Entscheidung hat wesentlich ein Artikel von Cory Doctorow (boingboing), beeinflusst. Der ist 2006 vom Mac auf Ubuntu umgestiegen.

    http://www.boingboing.net/2006/06/29/mark-pilgrims-list-o.html

    Vermutlich ist es ganz sinnvoll auf eine der großen drei Desktop-Linux Plattformen umzusteigen. Also: OpenSUSE, Ubuntu, oder Fedora. Die werden gut unterstützt und weiterentwickelt – und die haben auch eine gute Dokumentation im Netz, sowie eine aktive User-Community.

  7. Ringo sagt:

    Nun, auf der Kostenschiene hat er definitiv mal recht:-) Ich glaub, ich such wieder nach der berühmten „eierlegenden Wollmilchsau“;-) An der Oberfläche soll gut ausschauen und einfach zu bedienen sein, unten drunter aber flexibel konfigurierbar, um bösen Überraschungen gut begegnen zu können:-)

  8. bsod sagt:

    gentoo ist auch ein linux. und portage ist dessen paketmanager (wie apt bei debian/ubuntu). es gehört zu „philosophie“ von gentoo, dass alle programme in quelltext runter geladen werden und anschließend kompiliert werden. und das dauert. ist aber bei den meisten anderen Distributionen (wie auch eben ubuntu) nicht der Fall.

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