Ubuntu One

Juni 29, 2009 by byebyeapplecomputer

Ubuntu One, der Cloud-Servce von Canonical, wird ja häufig mit Dropbox verglichen (und für schlechter befunden). Ich kenne Dropbox nicht. Als ehemaliger Mac-Nutzer denke ich zunächst an die iDisk-Funktion, die Apple schon vor neun Jahren als Teil der iTools-Services eingeführt hat. Mac.com-Mailadressen, eine eigene Mac.com-Homepage und die iDisk-Netzfestplatte. All das hatte Apple damals kostenlos angeboten. Ich war schwer begeistert. Das iTools-Highlight war definitiv die iDisk. Dummerweise waren die WebDAV-Server für Nutzer in Europa ziemlich langsam. Aber solange der Service kostenlos war, konnte man das tolerieren. Es war ja auch gerade erst das Jahr 2000 angebrochen. Computer und DSL-Zugänge waren eben auch noch etwas langsamer.  Zwei Jahre später wurden die iTools in .Mac (”Dot Mac”) umgetauft und wollte Apple Geld dafür haben. Ich war damals Student und wollte mir das nicht leisten.

Das iDisk-Konzept, eine fest mit dem Desktop verknüpfte Web-Festplatte, finde ich aber weiterhin sehr reizvoll. Und natürlich hatte ich mich vor einiger Zeit dann auch für den Beta-Test von Ubuntu One angemeldet. Vor einer Woche kam etwas verspätet auch eine Einladung von Canonical zurück.

Ubuntu One integriert sich gut in den GNOME-Desktop. Vorbildlich: Alle Kopiervorgänge über das Internet laufen komplett im Hintergrund ab.

Ubuntu One integriert sich gut in den GNOME-Desktop. Vorbildlich: Alle Kopiervorgänge über das Internet laufen komplett im Hintergrund ab.

Um es vorweg zu nehmen. Die Online-Festplatte funktioniert super. Sie wird als Ordner “Ubuntu One” in meinem Home-Verzeichnis angezeigt. Wenn ich eine Datei in diesen Ordner ziehe, dann sehe ich das Ergebnis sofort. Das Angenehme: Der (möglicherweise langwierige) Kopiervorgang läuft komplett im Hintergrund. Viel mehr gibt’s zu Canonicals Web-Festplatte eigentlich kaum zu sagen.

Wirklich ungewöhnlich fand ich die Art der Installation. Eine der ersten Dinge, die mir als Neu-Linuxer an Ubuntu damals gefallen hat, war die Paketverwaltung. Installation und Deinstallation mit einem Knopfdruck. Kein wildes Rumklicken auf irgendwelchen Download-Seiten mehr. Super.  Etwas umständlich fand ich es bislang aber immer, dem Paketmanager neue Paketquellen bekannt zu machen. Man muss manuell die neuen Quellen-URLs, als auch die GPG-Schlüssel hinzufügen. Nicht wild. Aber es geht einfacher.

Installation in zwei Schritten: (1) Neue Paketquelle hinzufügen und  (2) mit einer apt:// Adresse Ubuntu One laden

Installation in zwei Schritten: (1) Neue Paketquelle hinzufügen und (2) mit einer "apt:// Adresse" Ubuntu One laden

Auf der Installationshomepage von Ubuntu One gibt’s zwei Buttons. Ein Klick auf den ersten (”Add PPA”) installiert die Paketquellen samt zuhörigen GPG-Schlüssel. Das Ubuntu-Team hat Paketquellen und GPG-Schlüssel in eine .deb-Datei gepackt. Eine sehr schöne Lösung, die ich so noch nicht gesehen hatte.

Die eigentliche Installation wird mit dem zweiten Button (”Install”) gestartet. Der Install-Button verlinkt auf eine apt:// Adresse. Firefox leitet diese Anfrage (apturl) an den Paketmanager weiter. Auch sehr elegant. Man könnte fast sagen, dass die Installationsmethode von Ubuntu One innovativer ist, als die Software selbst.

Clever: Schlüssel und Paketquelle mit einer .deb-Datei installieren - das kannte ich so noch nicht.

Schlüssel und Paketquelle mit einer .deb-Datei installieren - das kannte ich so nicht.

Kurzer Exkurs: Ich habe einen DSL-Anschluss von 1&1. Vor ein paar Wochen ist mir (im Grunde zufällig) aufgefallen, dass zum Umfang des DSL-Anschlusses auch eine Online Festplatte gehört – Kapazität 115 GB. Die Platte läßt sich per WebDAV (https://sd2dav.1und1.de) auf dem Desktop als Laufwerk mounten. Das also nur ganz kurz, um die Konditionen von Ubuntu One in Perspektive zu setzen. Canonical will 120 Dollar für 10 GB Speicher haben. Das ist wirklich zu viel. Mein DSL-Anbieter gibt mir 15mal so viel Speicher als Dreingabe für einen Breitbandanschluss. Es ist ja nicht so, als wäre ich nicht bereit für Services im Netz Geld zu bezahlen. Flickr kriegt auch 25 Dollar im Jahr von mir. Aber in diesem Bereich liegt auch irgendwo die Grenze dessen, was ich für einzelne Cloud-Dienstleitungen bereit bin zu zahlen.

Dennoch ist die Entwicklung von Ubuntu One ganz viel versprechend. Der Client ist ja Open Source. Vielleicht entwickelt ein schlauer Programmierer mal eine Version von Ubuntu One, die sich mit jedem x-beliebigen WebDAV Server vesteht. Nautilus könnte eine Funktionalität, die langwierige Kopierprozesse über das Netz in den Hintergrund schiebt, gut gebrauchen.

Pwned!

Juni 23, 2009 by byebyeapplecomputer

Im Grunde sitze ich ja schon seit Januar diesen Jahres auf heißen Kohlen. Der RSS-Feed vom Dev-Team war fest gebookmarkt. Ich wartete fast fünf Monate lang auf die Veröffentlichung einer zuverlässigen Lösung meinen iPod touch 2G zu knacken. Am Sonntag kam dann die erlösende Meldung: redsn0w 0.7 kann den iPod touch der zweiten Generation öffnen. Also Transmission (BitTorrent) gestartet und damit die resn0w.app geladen. Nebenbei habe ich mich dann via Google auf die Suche nach einem Image der neuesten Firmware (3.0) gemacht.

Redsn0w benötigt für den Jailbreak die aktuelle iPod-Firmware

Redsn0w benötigt für den Jailbreak die aktuelle iPod-Firmware

Die Installation ist denkbar einfach. Redsn0w starten und den Anweisungen des Installers folgen. Fertig. Keine Fallstricke. Man muss allerdings noch einen alten Windows- oder Mac-Rechner rumstehen haben. Es gibt noch keine Linux-Version des Installers. Nach dem Jailbreak bemerkt man zunächst kaum einen Unterschied. Auf dem Homescreen wartet ein neues Icon:

Cydia icon Cydia

Cydia ist so eine Art Hacker App Store für iPhone und iPod touch. Über Cydia kann man Programme auf den iPod laden, die so nie durch die Apple-App-Zensur gekommen wären. Also: Emulatoren für Spielkonsolen, Wardriving-Tools, etc. Mein erstes Programm war OpenSSH. Mich hatte es kollossal genervt, dass Apple mich so dreist aus meinen iPod ausperrt. Ein erster Test im Terminal: Es klappt. Ich bin drin! Ich kann mich als Benutzer “mobile” auf den iPod  schalten. Mein iPod heißt “s-pod” Der SSH-Loginbefehl lautet dementsprechend:

ssh s-pod.local -l mobile

Das Anfangspasswort für den User “mobile” – und auch das für den Root-Account – lautet: alpine. Man sollte BEIDE(!) im Anschluss an den ersten Login unbedingt via passwd im Terminal ändern. In Nautilus kann man sich übrigens auch ganz bequem via “Places / Connect t0 Server…” das Innenleben des iPhone OS ansehen.

Sobald OpenSSH auf dem iPod touch läuft, kann man den iPod über "Places / Connect to Server..." als Laufwerk mounten.

Sobald OpenSSH auf dem iPod touch läuft, kann man den iPod über "Places / Connect to Server..." als Laufwerk mounten.

Ich bin sehr froh endlich an das Dateisystem meines iPod touch zu kommen, denn das ist momentan die EINZIGE Möglichkeit von Linux aus Musik auf das Gerät zu spielen. Apple hat die Musikbibliothek seiner Music.app-Anwendung auf dem iPod schon in Firmware 2.0 mit verschlüsselten Info-Hashes, gegen das Aufspielen von Musik durch Nicht-iTunes-Programme “geschützt”. In Firmware 3.0 sind die DRM-Freaks aus Cupertino noch einen Schritt weiter gegangen und haben die komplette Datenbankstruktur verändert.

iPod touch Filesystem - Ich bin drin!

iPod touch Filesystem - Ich bin drin!

Es bleibt die in der Ubuntu Community Documentation beschriebene Methode, den PwnPlayer via Cydia zu installieren. Denn der kann auf die Musik, die man im Verzeichnis “var/mobile/Media/Music” abspeichert zugreifen. Das das Überspielen der MP3s kann man auf einem iPod mit OpenSSH ja einfach via Dateimanager machen. PwnPlayer ist Beta, funktioniert aber prima. Fazit: Mein iPod touch läßt sich jetzt ein halbes Jahr nach dem Kauf auch endlich mal von Linux aus befüllen.

Danke Def-Team!

Bluetooth und Dateimanager

Juni 21, 2009 by byebyeapplecomputer

Bald gibt es dieses Blog schon ein Jahr. Die Bilanz meines Umstiegs von MacOS X zu Ubuntu Linux rückt näher. Vor den Hintergrund habe ich mir meine Liste mit Linuxalternativen angesehen. Auf dieser Liste gibt es ja immer noch eine ganze Menge Leerstand. Den will ich jetzt versuchen bis zur Jahresbilanz noch etwas zu verkleinern. Ich fange mal an mit dem Mac-Systemprogramm Bluetooth File Exchange.

Es gibt auch einen aktuellen Anlass. Seit ein paar Tagen kann man die Firmware 3.0 für iPhone und iPod touch installieren. Als Update-Junkie habe ich das mit meinem iPod touch natürlich auch sofort gemacht.

ipod_bluetooth

Warum findet der blöde iPod touch meine anderen Bluetooth-Geräte nicht?

Nach der Installation von 3.0 erstmal alles Durchklicken (oder sagt man “Durchflicken” oder “Durchtouchen”?) … Auf den ersten Blick findet man wenig Neues. Aber unter “Settings/General” gibt’s plötzlich Bluetooth. Wow. Ich bin völlig geplättet. Ein Software-Update und mein MP3 Player kann plötzlich Bluetooth? Der Umkehrschluss: Das Teil hatte natürlich schon seitdem ich es gekauft habe einen Bluetooth-Funkchip eingebaut. Apple hat diese Funktion schlicht und einfach nicht dokumentiert. Und das iPhone-OS ist so closed, dass auch Anwendungsentwickler keine Ahnung hatten, dass der iPod touch einen Bluetooth-Chip hat. Das ist ja mal wieder eine Nachricht, die meinen Widerwillen gegen die Geschäftspraktiken rund um das iPhone nachhaltig bestätigt.

Nur am Rande: Natürlich ist die Bluetooth-Funktionalität nicht im vollen Umfang aktiviert worden. Der iPod touch findet weder meinen Computer noch mein Handy. Und umgekehrt iPod ist sichtbar, läßt sich aber für Dateitransfer oder ähnliches nicht nutzen. Ich hatte auch kaum etwas anderes erwartet.

Dieser Ärger über die iPhone Firmware 3.0 – ich könnte mich noch seitenlang darüber aufregen – hat bei mir das Thema Bluetooth nochmal auf die Tagesordnung gebracht. Ich nutze die Bluetooth-Implementierung in Nautilus, dem GNOME-Dateimanager,  schon seit langem. Wenn ich nicht vor Beginn dieses Blogs die am häufigsten Mac-Programme für meine Liste mit Linuxalternativen zusammengestellt hätte, dann wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen einen Beitag über Dateiaustausch via Bluetooth zu schreiben. Aber auf dieser Liste steht nun mal Bluetooth File Exchange.

Bluetooth File Exchange ist unter MacOS X ein eigenständiges Programm - warum diese Funktion nicht in den Finder integriert wurde, ist mir ein Rätsel

Bluetooth File Exchange ist unter MacOS X ein eigenständiges Programm - warum diese Funktion nicht in den Finder integriert wurde, ist mir ein Rätsel

Das Bluetooth-Protokoll für den “Object Exchange” (OBEX) ist unter MacOS X nicht so gut eingebunden wie etwa WebDAV oder SMB. Für den Dateioperationen über Bluetooth gibt es ein eigenes kleines Programm: Bluetooth File Exchange. Ich hatte mich zu Mac-Zeiten schon gefragt, warum diese Funktionalitäten nicht ganz normal in den Finder eingebunden werden. Unverständlich. Nicht falsch verstehen: Bluetooth File Exchange funktioniert gut. Es geht aber auch eleganter.

GNOME mountet Bluetooth Geräte (in der Regel Handys) einfach als Laufwerk im Dateimanager

GNOME mountet Bluetooth Geräte (in der Regel Handys) einfach als Laufwerk im Dateimanager

Siehe Ubuntu: Hier muss man einmalig Telefon und Computer einander bekannt machen (”Pairing”). Dafür gibt es den GNOME Bluetooth Device Wizard. Den ruft man mit einem Rechtsklick auf das Bluetooth-Symbol im oberen Panel auf. Auf dem Handy muss man die PIN eingeben, die der Device Wizard für das Pairing generiert hat. Fertig.

"Browse files on device ..." mountet das Handy als Laufwerk

"Browse files on device..." mountet das Handy als Laufwerk

Von nun an kann man mit “Browse files on device…” das Telefon als Laufwerk mounten und mit Nautilus durchsuchen – genau wie eine Kamera oder einen USB Stick. Das läuft völlig problemlos. Ein ganz anderes Problem sind die Intergration anderer Bluetooth Profile, wie etwa SYNC (für den Datenabgleich) oder DUN um ein Handy als Modem zu benutzen. In diesen Bereichen hat MacOS X definitiv die einfacheren Lösungen (z.B. iSync). Aber dazu ein anderes Mal. Im Bereich Bluetooth-Dateiaustausch geht der Punkt in jedem Fall an Ubuntu.

Ergänzung: Beim Schreiben dieses Artikels habe ich in meinem RSS-Reader gerade gelesen, dass das glorreiche Dev-Team seinen resn0w-Unlock für das iPhone OS 3.0 herausgebracht hat. Respekt. Das war ja fast zeitgleich mit der Veröffentlichung der Firmware durch Apple. Vielleicht machen sich ein paar Hacker dran, die halbherzig implementierten Bluetooth-Funktionen auszubauen.

Off Topic: “Ich und mein Computer”

Juni 6, 2009 by byebyeapplecomputer

Noch ein kleiner Off-Topic-Beitrag. Gestern in der Stadtbahn habe ich Musik auf meinem iPod gehört und ich musste ich laut lachen. Das war etwas unangenehm. Denn es gab für die Mitfahrer keinen ersichtlichen Grund zu lachen. Ich hatte gestern zum ersten Mal das 2008er Deichkind-Album “Arbeit nervt” durchgehört. Laut (schon fast prustend) lachen musste ich bei dem Song “Ich und mein Computer”. Hier mal der Beginn der ersten Strophe:

Zehn Stunden Arbeit
Kein Backup gemacht
Programm abgestürzt
Computer kaputt
Alles ist weg
Festplatte voll
Falsche Version
Update verpasst
Kein Handbuch dabei
RAM zu klein
Sanduhr
Sanduhr

GENAUSO ist es doch, oder? Gerät nicht gefunden – Kein Steckplatz mehr – Wackelkontakt – CD nicht beschriftet – Fehler unbekannt. Der Refrain geht so:

Ich und mein Computer
Wir waren mal ein Team
Plastik mit dem Apfel
Ich werd dich nie verstehen

Und da haben wir dann ja doch auch einen Bezug zu “Bye-bye Apple Computer”. Der nächste Beitrag hier ist auch wieder “On Topic” – also über meine Erfahrungen mit dem den Wechsel von MacOS X zu Ubuntu Linux. Versprochen.

Nachhören (Last.fm)
Nachlesen (Lyricwiki.org)

Off Topic: Wahlempfehlung für die Piratenpartei

Juni 1, 2009 by byebyeapplecomputer

Dieses Statement kommt jetzt vielleicht etwas unerwartet. Bye-bye Apple Computer kann man ja nun wirklich nicht als politisches Blog bezeichnen. Trotzdem und gerade deshalb ganz ohne Umschweife:

Leute, wählt bei der kommenden Europawahl
und auch bei der Bundestagswahl die
Piratenpartei Logo PIRATENPARTEI !

Mit der Piratenpartei gibt es für mich erstmals eine Bewegung, mit der ich mich identifizieren kann. Die großen Parteien – also alle , die es über die 5-Prozent-Hürde schaffen – sind im Begriff die Informationsgesellschaft völlig zu verschlafen. Denen kann und will man sich als Nerd weder inhaltlich noch persönlich nahe fühlen. Man braucht sich ja nur Projekte wie den elektronischen Personalausweis ansehen – Zensursula, die Vorratsdatenspeicherung,  die Onlinedurchsuchung, die Reform des Urheberrechts … Allesamt völlig vergeigt.

Als Antwort auf eine solche Politik entsteht nun europaweit eine Bewegung der Geeks, der digital natives, der Piraten.  Und ich will dazugehören. Eine Partei, die ihr Wahlprogramm in einem Wiki gemeinsam mit ihren Wählern entwickelt, die hat verstanden, wie Demokratie in der Informationsgesellschaft funktionieren kann.

Der erste wichtige Schritt ist die 0,5-Prozent-Hürde. Dann nämlich gibt es Geld aus der Wahlkampfkostenerstattung. Ich empfehle allen Lesern von Bye-bye Apple Computer mitzuhelfen, dass diese Bewegung weiter wachsen kann.

Meine erste Neu-Installation

Mai 12, 2009 by byebyeapplecomputer

Ich hätte nicht gedacht, dass mein letzter Artikel – der zum Thema Backup – so schnell relevant für mich werden würde. Auf meiner Back In Time Festplatte liegen eine handvoll vollständiger Sicherheitskopien. Die aktuelleste von vorgestern abend. Und die wollte ich gleich mal zurückspielen. Was ist passiert? Ich habe mein System neu installiert. Eine Premiere. “Premiere”? – das hört sich jetzt doch zu feierlich an. Tatsächlich war es so: Es gab einen kleineren Zwischenfall. Kein Gau, nichts schlimmes. Aber nach dem Upgrade von Ubuntu 8.10 zu 9.04 startete mein Mail-Programm Thunderbird nicht mehr. In der Prozessliste starteten thunderbird und thunderbird-bin, aber auf dem GNOME-Desktop passierte nichts. Die naheliegenden Lösungen wie das Neuanlegen eines Profils oder das komplette De- und Neu-Installieren von Thunderbird halfen nicht. Auch via Google und Co. habe ich noch nichs über dieses Problem und seine Lösung rausfinden können.

Im System Monitor wird Thunderbird als gestartet angezeigt. Aber GNOME zeigt kein Programmfenster an.

Im System Monitor wird Thunderbird als gestartet angezeigt. Aber GNOME zeigt kein Programmfenster an.

Dann also Neu-Installation. Mein erstes Mal. Vorher nochmal kurz ein paar Stichprobentests. Sind die Fotos alle schön auf der verschlüsselten Backupplatte? Ist mein Dokumentenordner wirklich vollständig? Und so weiter. Alle Dateien waren an ihrem Platz. Back In Time hatte gute Arbeit geleistet.

Vor der Installation habe ich dann auch nochmal gecheckt, ob meine kleine Post-Installationsanleitung auch vollständig ist. So ein Anleitung kann ganz hilfreich sein. Darin hatte ich mir alle Konfigurationsschritte notiert, die ich seit meiner ersten Installation gemacht habe. Da kann ich dann zum Beispiel nachlesen, wie ich die räumliche Dateiverwalung in GNOME aktiviere, welche Programme und Pakete ich nachinstalliert habe, dass ich Musictracker-Plugin für Pidgin brauche, wie ich mit einem Passwort alle Partionen auf einmal entschlüssle – und so weiter. Die Liste war vollständig. Es kann losgehen.

Während der zugegebenermaßen recht kurzen Installtionroutine von Ubuntu habe ich mich gefragt, wie häufig so eine komplette Neu-Installation unter Linux wohl notwendig ist. Unter Windows gehört das ja quasi mit dazu, dass man immer mal wieder alles frisch installiert. Mein alter Mitbewohner J. hat zwar darüber gestöhnt, war immer völlig begeistert, wenn er ein frisches System auf die Platte gespielt hatte. Ich kanns schlecht schätzen, aber vermutlich alle 18 Monate war das bei ihm der Fall. Und bei mir? Von MacOS 7.5 bis MacOS X 10.3 habe ich auch immer mal wieder alles gelöscht und neu-installiert. Im Schnitt auch alle 12 bis 18 Monate. Das ist ganz schön häufig und war auch längst nicht immer wirklich notwendig. Aber als Student hatte man auch wirklich viel Zeit für so einen Quatsch – MacOS X 10.4 und 10.5 habe ich gar nicht mehr neu installieren müssen – das liegt sicher am Ende des Studiums, und nicht an der (zugegebenermaßen) höheren Stabilität von “Tiger” und “Leopard”.

Der Vorteil dieser hohen Frequenz an MacOS Neu-Installationen während des Studiums war: Ich habe Routine entwicklt. Nur ein/zwei Stunden benötigte ich für die Neuinstallationen eines System, für das ich einige jahre zuvor noch einige Tage an Nachjustierungen gebraucht hätte. Aber das ist ja nun auch Vergangenheit. Mit meiner ersten Ubuntu Neu-Installation beginnt aufs neue ein Lernprozess. Um den zu verkürzen, hatte ich die oben erwähnte Post-Installationsanleitung angelegt.

Im Anschluss an die Basisinstallation habe ich zunächst Thunderbird, ZSNES, World of Goo, Back In Time und eine Handvoll anderer Programme nachinstalliert. In der Theorie müsste ich jetzt einfach die Inhalte aus dem Home-Ordner des letzten Backups in meinen frischen Home-Ordner ziehen und gut ist. Denn die meisten Desktop-Programme speichern ihre Konfigurations-Dateien im Home-Verzeichnis. Und zwar in “versteckten” Ordnern, die man im Nautilus Dateimanager nur mit Strg-H angezeigt bekommt. Nautilus blendet alle Dateien und Ordner, deren Name mit einem Punkt (.beispiel) beginnen, erstmal aus.

Und jetzt kommt mein Anfängerfehler. Beim Prüfen des Backups war mir nicht aufgefallen, dass Back In Time keinerlei versteckte Dateien sichert. In dem Moment, in dem ich das bemerkt hatte, ist mir fast schlecht geworden. Sch####! Mein komplettes Adressbuch ist weg, ebenso mein Geburtstagskalender (und nicht zu vergessen: Meine Wold-Of-Goo Savegames!). Ein kurzer Blick in die Back In Time Konfiguration und ich hatte den Fehler gefunden. Unter Exclude steht da standardmäßig “.*”. It is not a bug, it’s a feature!

Kleine Warnung an alle Back In Time Nutzer: Das ".*" muss hier raus!!

Kleine Warnung an alle Back In Time Nutzer: Das ".*" muss hier raus!!

Ich hatte noch ein Mac-Backup aus dem Juni – zehn Monate alt! Einen Großteil der Adressen konnte ich beispielweise einigermaßen wiederherstellen. Genauso die Ratings und Playcounts aus iTunes. Es bleibt die 10 Monate Lücke. Keine Chance für meine World of Goo Savegames. Aber es gibt schlimmereres, als Goo nochmal durchspielen zu müssen. :-)

Im Grunde habe ich in den vergangenen zwei Tagen all die Sachen nochmal gemacht, die ich seit Juli 2008 hier im Blog auch dokumentiert habe. Und an diesem Punkt komme ich nochmal auf meine Post-Installationsanleitung zurück. Diese Anleitung anzulegen hat sich für mich wirklich gelohnt. Ich hatte zwei Abende geopfert, bis alles wieder so war wie zuvor. Das hörts ich vielleicht viel an. Aber ohne meine Liste hätte mich das sicher etliche Stunden mehr gekostet. Angefangen hatte alles mit einer nicht reparablen Thunderbird Installation. Hätte ich gewusst … Naja. Geschenkt. Ich habe eine Lektion gelernt. Hoffentlich hilft mein Bericht hier dem ein oder anderen, Fehler dieser Art zu vermeiden.

Backup!

April 22, 2009 by byebyeapplecomputer

Irgendwann im Jahr 2001 ist es passiert. Mein erster Festplattencrash. Damals hatte ich einen einen Blauen G3 Desktop Mac. Die Platte machte einen Tag lang komische Geräusche und dann war Schluss. Alle Daten waren weg. Sicher. Ich hatte irgendwann mal ne CD gebrannt mit den Inhalten aus meinem Dokumente-Ordner. Ein paar meiner MP3s lagen auf dem Flurserver der WG. Aber dennoch waren sehr viele Daten komplett und für immer verwunden. Jeder der sowas schonmal erlebt hat, kann meinen Schmerz – den ich immer noch empfinde, wenn ich daran zurück denke – nachvollziehen.

Ich kaufte mir neben einer neuen Festplatte sofort eine externe Festplatte. Seit diesem Unfall in 2001 mache ich immer regelmäßig Backups. Mit einem Mal fand ich es völlig absurd, dass die Sicherheitskopie kein Standardfeature von Betriebssystemen war. Und warum verbauen PC Hersteller nicht standardmäßig neben der normalen Alltagsfestplatte eine zweite dedizierte Backup-Festplatte. Völlig irre eigentlich, dass das MacOS 23 Jahre lang ohne Backuplösung ausgekommen ist. Erst 2007 wurde dieser Konstruktionsfehler mit der Einführung von Time Machine behoben.

Meine Backuplösung unter MacOS X war in den vergangenen Jahren nicht Time Machine, sondern Carbon Copy Cloner. Das funktionierte bei mir immer einwandfrei. Externe Festplatte anschließen, Backup startet automatisch. Alle gänderten Dateien wurde gespeichert. Fertig. Spätestens nachdem ich die (17seitige) MacOS 10.5 Rezension von John Siracusa durchgelesen hatte, habe ich aber angefangen mich für Time Machine zu interessieren.

Time Machine legt in bestimmten Intervallen ein komplettes Backup des Systems an. Wer nun denkt, Time Machine würde riesen Datenmengen anhäufen, liegt falsch. Das sind natürlich inkrementelle Backups. Es werden nur die Dateien kopiert, die neu sind oder die verändert wurden. Soweit nichts Neues. Das konnte Carbon Copy Cloner auch. Wenn man sich aber die Snapshots auf Dateiebene ansieht, dann merkt man davon nichts. In jedem Snapshot sind jeweils ALLE Dateien vorhanden und nicht nur die neuen und veränderten. Wie soll das gehen?

MacOS X legt für alle unveränderten Dateien sogenannte hard links an. Hard links sind ein Unix-Feature. Ich kannte bis dahin nur Alias-Verweise, also “symbolic links”. Die leiten einen zu der gesuchten Datei weiter. Hardlinks hingegen sind die Datei. Verwirrt? Siracusa beschreibt es so:

A hard link is simply a reference to some data on disk. Think of a file as a combination of a name and a pointer to some data. Deleting a file really means deleting the name portion of that duo. When there are no more names pointing to a particular piece of data disk, then that disk space can be reused.

In der Regel gibt es pro Datenpaket nur einen Hardlink. Wenn man einen zweiten Hardlink auf dasselbe Datenpaket setzt, dann hingegen gibt es die Datei zweimal. Ohne dass dabei der doppelte Platz auf der Festplatte belegt wird. Es gibt lediglich zwei Hardlinks, bzw. zwei Einträge im Dateisystem.

Eine sehr elegante Lösung, die ich aber selbst nie gestestet habe. Denn kurz bevor ich mich durchringen konnte von Carbon Copy Cloner auf Time Machine umzusteigen, hatte ich aus anderen Gründen schon genug von Apple. Ich hab Linux installiert und begonnen meinen Wechsel zu Ubuntu in diesem Blog zu begleiten.

Meinen ersten Nicht-Mac habe ich mir dann selbst zusammengeschraubt – nur die Harten kommen in den Garten. In diesen PC-Schrauber Computer habe ich dann gleich zwei Festplatten eingebaut. Die Kiste sollte von Tag Eins an in der Lage sein Sicherheitskopien zu machen. Auf der Softwareseite war ich dann erstmal ziemlich erstaunt: Ubuntu installiert kein Backupprogramm mit! Okay es gibt rsync. Aber dafür gibt es in der Standardinstallation kein User Interface. Man kann es zunächst nur mit Textkommandos über das Terminal aktivieren. Das kann ich nun wirklich nicht verstehen. Ein derart wichtige Funktion nicht standardmäßig mitzuinstallieren, finde ich schwach.

Simple Backup - Die Optionen sind ziemlich selbsterklärend

Simple Backup - Die Optionen sind ziemlich selbsterklärend

Die erste Lösung, die ich nach der Ubuntu-Installation unter “Applications Add/Remove” gefunden habe, habe ich zunächst auch installiert. Simple Backup hieß die Software. Sie speicherte inkrementelle Sicherheitskopien der von mir ausgewählten Ordner “home”, “usr/local” und “etc” auf meiner zweiten Festplatte ab. (Wichtig, nicht vergessen: Festplatte zwei sollte ist natürlich verschlüsselt sein!) Dieses Setup lief leise und unauffällig vor sich hin. Bis gestern. Gestern wollte ich zum ersten Mal austesten, wie gut die Qualität meiner Backups eigentlich ist.

Simple Backup - Leider werden Sicherheitkopien in eine riesige tgz-Datei gepackt.

Simple Backup - Leider werden Sicherheitkopien in eine riesige tgz-Datei gepackt.

Simple Backup legt für jeden Snapshot jeweils einen Ordner mit dem Datum des Backups an. Innerhalb des Ordners finden sich dann eine riesengroße tgz-Archivdatei und ein paar kleinere Steuerungsdateien, die vermutlich dazu dienen die Inhalte auf dem tgz-Archiv vernünftig auslesen zu können. Um an die Inhakte meines Backups ranzukommen brauche ich, dann ein ein Extra-Programm (Simple Backup Restore). Das gefällt mir schonmal überhaupt nicht. Ich will mit mein Backup ganz einfach über Dateimanager auslesen können. Unschön auch: Beim Wiederherstellen einer 50MB Datei schien Simple Backup Restore abgestürzt zu sein. Erst nach Minuten ohne Rückmeldung hat sich das Programmfenster wieder erholt. Die Datei selbst wurde dann auch nicht wie vorher von mir ausgewählt auf dem Desktop wieder hergestellt, sondern in ihrem Ursprungsordner. Das hatte zur Folge, dass ich zunächst mit Blick auf den leeren Desktop dachte: Das Programm funktioniert gar nicht. Das war zuviel. Ich hab “Simple Backup” jetzt wieder deinstalliert und mich auf die Suche nach einem Programm gemacht, dass Sicherheitskopien macht, die ich mir ganz einfach mit dem Dateimanager ansehen. Wiederherstellen via Drag and Drop.

Simple Backup - Beim Wiederherstellen einer 50MB Datei blieb das Fenster minutenlang ohne Rückmeldung

Simple Backup - Beim Wiederherstellen einer 50MB Datei blieb das Fenster minutenlang ohne Rückmeldung

Als erstes fiel mir das oben erwähnte Unix-Kommando rsync ein. Das kannte ich noch von MacOS X. Es ist sehr flexibel. Und wie ich in dem Beitrag Time Machine for every Unix out there gelesen habe, kann rsync wie Time Machine auch hard links setzten, wenn man es mit dem Parameter “–link-dest” startet:

–link-dest this is a neat way to make full backups of your computers without losing much space. rsync links unchanged files to the previous backup (using hard-links, see below if you don’t know hard-links) and only claims space for changed files. This only works if you have a backup at hand, otherwise you have to make at least one backup beforehand.

Nun bin ich kein allzu großer Fan von Kommandozeilen Programmen. Ich vergesse ständig, wie die zu bedienen sind und muss mich immer und immer wieder durch die gleichen man(ual)-Pages lesen. Es muss doch eine schöne GUI für rsync geben. Durch Diskussionbeiträge von steinsuppe auf meiner Seite Liste mit Linuxalternativen bin ich schon im Januar auf die Linux-Projekte Flyback, TimeVault und Back In Time aufmerksam gemacht worden. Alle drei basieren auf rsync. Ich habe dann auf der Launchpad-Seite von TimeVault folgenden Eintrag vom 31.3.2009 im Forum gelesen

Is there currently active development on TimeVault or FlyBack? From what I can see is that the development of both has gone stale since last 2007. I really would like to use one of these systems, but they feel they are still very much alpha for me.

Das war der Grund warum ich zunächst nur “Back In Time” installiert habe. Das Programm scheint aktiv entwickelt zu werden. Und der Versionsnummer nach zu urteilen ist es immerhin schon fast eine 1.0.

Back In Time - Einfach zu bedienen und übersichtlich

Back In Time - Einfach zu bedienen und übersichtlich

Und ich muss sagen: Auf den ersten Blick gefällt mir das Programm sehr gut. Das Nutzerinterface ist sehr übersichtlich. Ich verstehe alle Optionen, die mir das Fenster “Einstellungen” anbietet. Man kann die Ordner bestimmen, die man gesichert haben möchte. Und man kann Ausnahmen definieren – beispielsweise für Ordner, in denen sehr große temporäre Dateien liegen. Sehr schick finde ich auch die Funktion “Auto-remove”. Wenn der freie Platz auf der Sicherungsfestplatte kleiner als 5 Gigabyte wird, dann werden alte Backups automatisch gelöscht.

Back In Time - Wiederherstellen via Drag and Drop im Dateimanager

Back In Time - Wiederherstellen via Drag and Drop im Dateimanager

Und das allerbeste: Dank rsync ist Ergebnis des Backupvorgangs ein ganz normaler Ordner. Wiederherstellen geht also via Drag and Drop. Was will man mehr… (doch nicht etwa so einen visuellen OpenGL Time-Warp wie bei Apple, oder?)

UPDATE:
Kleiner Hinweis für alle, die mit Back In Time ihr Homeverzeichnis sichern wollen. Back In Time sichert keine versteckte Dateien. Es gibt eine Regel unter dem Stichwort “Exclude”, die standardmäßig “.*” ausschließt. Diese Regel sollte man deaktivieren. Denn sonst hat man ein Backup ohne die versteckten Konfigurationsverzeichnisse von Firefox, Thunderbird, Evolution, World of Goo und Co. Und die enthalten wichtige Daten, wie Adressbücher, Bookmarks, oder Savegames – und die will man ja nicht verlieren.

Picasa für Linux

April 10, 2009 by byebyeapplecomputer

Die Fotoverwaltung mit iPhoto auf dem Mac läuft so: Kamera einstöpseln, OK klicken, kurz warten, fertig. Danach sind dann alle Fotos von der Kamera in der iPhoto Library. Hört sich zwar gut an, aber gleichzeitig fängt da auch das Problem an. iPhoto zwangsverwaltet meine Bilder. Die Library erscheint im Finder als eine einzige große Datei – bei mir waren das zuletzt etwa 12 GB. In der Datei (”Show package contents”) versteckt iPhoto dann eine wilde Ordnerstruktur, die ich an dieser Stelle lieber gar nicht erst versuche zu erklären. Wen es im Detail interessiert: In knappen 1200 Worten beschreibt die Dokumentation der 3rd Party Software “iPhoto Library Manager”, wie die Library aufgebaut ist. Allein die Tatsache, dass jemand einen solchen Library Manager programmieren musste, spricht doch für sich.

Bei meinem Wechsel zu Linux war eines für mich völlig klar: Ich will nicht mehr, dass irgendwelche Programme meine Daten für mich ordnen. Ich will kein iTunes, dass meine Musik irgendwo auf der Festplatte ablegt. Und auch kein iPhoto, dass meine Fotos vor mir versteckt. Ich bin bestimmt kein Kontrollfreak. Aber meine schlechten Erfahrungen mit proprietären Dokumentenformaten, wie Claris Works und iWork, haben mich sensibilisiert: Ich will, dass meine Daten portabel sind. Ich will meine Texte, meine Bilder, meine Musik auf allen möglichen Geräten nutzen können. Und zwar nicht nur heute sondern auch noch in 5 bis 15  Jahren.

Also habe ich angefangen meine iPhoto Library von Hand aufzulösen und in eine simple Ordnerstruktur zu überführen (man hat ja sonst nichts zu tun). Es gibt für jedes Jahr einen Ordner und dann noch Unterordner nach Thema. Also beispielsweise: “2008/Urlaub Frankreich”. Jetzt benötige ich ein Programm, dass etwas mit meinem Foto Archiv anfangen kann. Ubuntu installiert als Standard die Fotoverwaltung F-Spot mit. Auf dem ersten Blick gefällt mir F-Spot ganz gut. Ein GNOME-typisches Interface. Sehr aufgeräumt. Kein Schnickschnack. Schick. Die Fotos werden nach Erstellungsdatum anhand einer Zeitleiste organisiert. Beim ersten Start ist F-Spot zunächst mal komplett leer.

F-Spot ist noch lange keine 1.0 Version. Das merkt man leider. Schade, schick aussehen tut es.

F-Spot ist noch lange keine 1.0 Version. Das merkt man leider. Schade, schick aussehen tut es.

Beim Linux Musikplayer Rhythmbox gibt es die Funktion, meinen Musik-Ordner zu scannen. Sobald ich neue MP3s in irgendeinen Unterordner kopiere, merkt Rhythmbox das. So eine Funktion verlange ich auch von einer Fotoverwaltung. F-Spot kann das leider nicht. Ich kann jetzt natürlich erstmal meinen gesamtes Fotoarchiv in F-Spot importieren. Dummerweise will F-Spot ganz stumpf erstmal Kopien aller Fotos machen und die nach einer eigenen Systematik ablegen. Das haben sich die Macher wohl von iPhoto abgeguckt. Zum Glück kann man seine Fotos auch mit gedrückter Shift-Taste importieren. Dann werden keine Kopien gemacht und F-Spot verzichtet auf die eigene Ordnerstruktur. Bleibt das Problem, dass F-Spot nicht von selbst erkennt, wenn sich in meinem Foto-Ordner etwas verändert hat.

Und da ist da auch noch die Performance. F-Spot braucht auf meinem Netbook mit Intel Atom Prozessor vier Sekunden um ein 10 Megapixel Bild im Vollbildmodus darzustellen. Da kann eine Diashow schonmal peinlich werden. Ubuntu 8.10 bringt F-Spot in der Version 0.5.0.3 mit. Das Programm ist ganz offensichtlich lang noch keine Version 1.0. Schade eigentlich. Im Prinzip gefällt mir F-Spot gut. Vielleicht probiere ich es in zwei Jahren nochmal aus.

Picasa für Linux ist eigentlich ein Windowsprogramm

Picasa für Linux ist eigentlich ein Windowsprogramm

Für die Zwischenzeit nehme ich Picasa. Das hat auch ein paar Handfeste Nachteile: Es ist Closed Source und kommt von Google – ist also per se schonmal nicht reine Lehre. Und ist es auch noch eine Portierung aus Microsoft Windows. Es gibt zwar eine .deb-Installationsdatei. Die installiert aber im Grunde nur ein minimal angepasstes Picasa 3 für Windows und kleine anwendungsspezifische Wine-Umgebung (Windows-API für Linux). Das Ergebnis ist visuell nicht so super ansprechend, aber es hat einen Vorteil: Es funktioniert prima. Das Scollen durch meine 12GB Fotos geht wesentlich schneller als mit F-Spot. Dia-Show und Bildbearbeitung funktionieren auch auf meinem Netbook ohne peinliche/nerviges Warten. Und: Picasa für Linux scannt meinen Bilder-Ordner anstatt ihn wie F-Spot oder iPhoto einfach neu anzulegen. Ich kann also jederzeit auf ein anderes Programm umsteigen, ohne dass ich meine Bilder aus irgendeinem Library Paket holen muss.

Kein Weg führt an OpenOffice vorbei

März 18, 2009 by byebyeapplecomputer

Meine Lieblingstextverarbeitung auf dem Mac ist Mellel. “Lieblingstextverarbeitung” – ein merkwürdige Auszeichnung. Textverarbeitung ist doch eine trockene Angelegenheit – eigentlich. Die jahrelange Dominanz von Microsoft Word emotionalisiert diese Thema aber. Word ist so schlecht, langsam, instabil, unbedienbar [...], dass sich der gemeine Geek prächtig darüber aufregen kann. Word? Arrrrgh!

Zu den Zeiten, in denen ich mit Macs gearbeitet habe, habe ich immer einen weiten Bogen um Mircosoft Word gemacht. Einzige Ausnahme war Word 5.1. Das fand ich noch stabil, bedienbar und schick. Lustigerweise halten einige Word 5.1 for Macintosh immer noch für das beste aller Textverabeitungsprogramme – und das, obwohl es  bereits 1992 veröffentlicht wurde. Mit Ausnahme dieser Version 5.1. habe ich in den vergangenen Jahren aber immer andere Programme genutzt, wenn ich Texte schreiben wollte.

Meine Word-Flucht begann mit ClarisWorks, das später dann in AppleWorks umgetauft wurde. AppleWorks lief super unter MacOS 9. Word 6.0 und Word 98 hingegen waren schaurig instabile Programme. Alle Dokumente aus der Zeit – auch meine Examensarbeit (2001) – habe ich in AppleWorks geschrieben. AppleWorks wurde später dann auf MacOS X portiert aber nie wirklich an das neue Betriebssystem angepasst.

Mellel (meine Lieblingstextverarbeitung für den Mac) kann kein OpenDocument

Mellel (meine Lieblingstextverarbeitung für den Mac) kann kein OpenDocument

Ungefähr zu der Zeit starteten die Ori und Eyal Redler in Tel Aviv mit der Programmierung von Mellel. Mellel war unter MacOS X das erste komplett in Cocoa programmierte Textprogramm. Es war rasend schnell, auch bei großen Dokumenten – und es hatte ein wirklich übersichtliches Interface. Ich war begeistert und habe es sofort gekauft.

Soweit, so gut. Leider gibt es bei der Geschichte meine Word-Flucht ein großes “Aber”. Word 5.1, ClarisWorks 4, AppleWorks 6, Mellel. Meine Festplatte füllte sich im Laufe der Jahre mit Dokumenten voll von Dateiformaten, die ich nicht mehr lesen kann. Es hilft mir im Nachhein herzlich wenig, dass ClarisWorks ein klasse Programm war. Unter MacOS X und erst recht nicht unter Ubuntu Linux lassen sich meine alten .cwk-Dateien nicht mehr öffnen. Die Dokumente – unter ihnen die erwähnte Examensarbeit – sind keine 10 Jahre alt. Soviel zum Thema Langzeitarchivierung. Im Barbarossastollen, dem “Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland”, lagern etliche Kilometer Mikrofilm, die 500 Jahre lang Informationen verlässlich speichern sollen. Na das ist doch mal was! Das will ich auch. Kann mir mal jemand so ein Mikroform-Dingbums leihen?

AbiWord kann OpenDokument importieren (und exportieren). Das klappt leider nicht so super. Siehe OpenOffice-Screenshot unten zum Vergeich.

AbiWord kann OpenDokument importieren (und exportieren). Das klappt leider nicht so super. Siehe OpenOffice-Screenshot unten zum Vergeich.

Im Ernst: Vor dem Hintergund dieser Erfahrungen mit ClarisWorks, Mellel und Co. war mir eines klar: Schluss mit exotischen Dokumentenformaten. Man könnte auch sagen: Ab jetzt nur noch offene XML-Formate. Das trifft es aber nicht. Mellel schreibt beispielsweise ein offenes XML Format. Das nützt mir aber rein gar nichts. Ich setzte mich doch nicht mit der DTD hin und schreibe mir ein eigenen Viewer! Was nützt mir das schönste XML, wenn das Programm, das es lesen kann, nicht mehr weiter entwickelt wird. Nene. Ich hätte mal damals doch schön bei Word 5.1 bleiben sollen. “.doc” ist zwar proprietär, aber wenigsten können fast alle Programme auch Word-Dokumente lesen.

Word 5.1 gibt es nicht mehr. Und allen neueren Versionen von Microsoft Word führen zu schlimmen Bluthochdruck. Was tun? Ich bin ja vor ein einigen Monaten von MacOS X zu Ubuntu Linux gewechselt. Als Textverarbeitung installiert Ubuntu automatisch OpenOffice Writer. OpenOffice hat aber für meinen Geschmack viel zu viele Funktionen. Reflexartig habe ich auch unter Linux nach kleineren, eleganteren Textverarbeitungen Ausschau gehalten. Ich habe mir dann zunächst AbiWord installiert. Ausschlaggebend war eine Empfehlung auf den GNOME-Seiten: “AbiWord is a free word processing application that is part of GnomeOffice.  Newer versions do support im- and export of OpenDocument documents.  AbiWord has been chosen to be part of the One Laptop Per Child project.” OpenDocument-Kompatilität war hier das für mich wichtigste Argument. Nie wieder Exoten-Formate. Dummerweise konnte AbiWord gleich mit dem ersten Beispieldokument, das ich mir ergooglet hatte, nicht umgehen (siehe Screenshots). Die Breite von Textkästen wurde falsch interpretiert. Der Textkasten über der Grafik fiel komplett weg.

OpenOffice ist 100% OpenDocument kompatibel. Kein Weg führt dran vorbei.

OpenOffice ist 100% OpenDocument kompatibel. Kein Weg führt dran vorbei.

Also doch OpenOffice. Mir ist es wichtiger, Dokumente zu produzieren, die ich in zwanzig Jahren noch lesen kann. Usability und Schnelligkeit sind in diesem Fall mal nachgeordnete Kriterien für mich. Im Dezember 2008 hat IT-Rat der Bundesregierung beschlossenen OpenDocument (ODF) in der Bundesverwaltung schrittweise einzusetzen. Ich finde das ist doch schon mal was. Die Bundesverwaltung wird doch sicher auch in zwanzig Jahren ihre Dokumente noch lesen wollen.

Um in Zukunft dann vielleicht doch nochmal ein elegantes Textprogramm für ODF zu bekommen, bräuchten wir so eine Art OpenOffice-Textengine. Im Mozilla-Projekt gibt es mit Gecko ein eigenständiges Modul für die HTML-Darstellung. Das wird in Firefox, Epiphany, Camino etc. genutzt. Eine OpenOffice-Textengine könnte die Basis für ganz unterschiedliche Textverarbeitungen sein. Jetzt gibt es das eine Office-Paket, das alles kann. Zukünftig wären dann spezielle Textverabeitungen für Wissenschaftler, für Sekretariate, für Schüler, für Autoren usw. denkbar – und alle würden nur ein Dateifomat schreiben und zu 100% kompatibel sein. Das wär doch was.