Machinarium für Linux

Oktober 19, 2009 von byebyeapplecomputer

Ich habe mir gestern Machinarium gekauft. Viel zu selten entschließen sich Entwickler Spieler nach Linux zu portieren. Wenn es dann doch mal gute Titel für Linux zu kaufen gibt, dann schlage ich in der Regel auch zu. Im Februar hatte ich World of Goo gekauft, jetzt also: Machinarium. Schon die Vorgängerspiele Samorost I & II habe ich mit Begeisterung gespielt. Die Spiele vom Tschechischen Indyentwickler Amanita Design sind vom rein technischen Aspekt her miserabel. Im Grunde geht’s hier nur um Point & Click. Die techische Basis scheint Adobe Flash zu sein. Das Besondere an Machinarium hingegen ist die Stimmung. Nur sehr wenige Videospiele schaffen Spieler emotional zu packen. Ico (Playstation 2) war so ein Spiel. Auch bei Machinarium entwickelt man für den Haupcharakter ungewollt so seltene Gefühle wie „Zuneigung“.

Wie ein guter Animationsfilm: Machinarium zieht einen in die Geschichte mit rein

Wie ein guter Animationsfilm: Machinarium zieht einen in die Geschichte mit rein

Spielziel des Adventures ist es, einen kleinen Roboter aus einer Art gefängnisartigen Stadt zu befreien. Machinarium erzählt diese Geschichte in einem wirklich einmalig schönen Grafikstil. Handgezeichnete und liebevoll bis ins kleinste Detail ausgearbeitet Szenarien ziehen einen in die Geschichte rein. Man sitzt gespannt vor dem Monitor. Diese Nur-noch-dieses-eine-Level-Phänomen. Ars Technica hat das ganze Spiel sehr schön in einem einzigen Satz zusammen gefasst:

Wall-E meets 1984 with a steampunk makeover

Momentan bejubeln ja relativ viele Blogs die Neuerscheinung von Machinarium. Eine Tatsache scheint mir häufig ein wenig unter zu gehen. Das Spiel erscheint nicht nur für Mac und PC. Es gibt auch eine Linux Variante. Wer am Online-Demo des Spiels Gefallen gefunden hat, sollte die Vollversion kaufen und so ein Zeichen für Entwickler setzen: Es lohnt sich gute Spiele nach Linux zu portieren.

Warten auf 9.10

Oktober 9, 2009 von byebyeapplecomputer

Ubuntu 9.10 Countdown

Yippie!

Den „War on Internet“ stoppen – und Piraten wählen

September 25, 2009 von byebyeapplecomputer

Anfang August hatte ich einen leicht polemischen Beitrag mit dem Titel War on Internet veröffentlicht. Etwa eine Woche später lese ich, dass Juli Zeh und Ilja Trojanow ein Buch mit ähnlicher Zielrichtung und ähnlichem Titel vorgestellt haben: Angriff auf die Freiheit. Ich hab das Buch gelesen. Für Politische Nerds ist „Angriff auf die Freiheit“ eine echo chamber. Wenig Neues, man fühlt sich in seiner Meinung bestätigt. Das schöne ist aber: Juli Zeh und Ilja Trojanow sind etablierte Feuilleton-Lieblinge. Es besteht die Chance, dass unsere Anliegen die echo chamber rund um Netzpolitik.org und Spreeblick.de verlassen – und vielleicht sogar echte FAZ-Leser ( = Offliner) erreichen. Und tatsächlich: In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von vergangener Woche hat der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher himself einen umfangreichen Artikel über die Die Revolution der Piraten geschrieben.

Was bedeutet das? Piraten-Themen sind im Mainstream des deutschen Feuilleton angekommen. Mit Gerhart Baum hat sich jetzt auch ein ehemaliger Bundesinnenminister der FDP in die Debatte eingemischt. Sein Buch Rettet die Grundrechte! wird in der Piratenpartei als Pflichtlektüre gehandelt. In der FDP selbst hingegen findet seit Jahren keine Bürgerrechtsdebatte statt. Hier scheint sich alles rund um das wichtige Thema „Mehr Netto vom Brutto“ zu drehen – mein Gott wie dämlich! Passend dazu: Im TV-Duell der kleinen Parteien (also: FDP, Grüne und Linke) ging es 90 Minuten lang auch nur ums Geld (siehe Video oben). Denken die, dass die vielumworbene Mitte der Gesellschaft völlig von Geiz und Geldgier zerfressen ist? Digitales Kopieren,  Kommunikationsüberwachung, Videospiele, Netzzensur, Bundestrojaner. Alles Themen, über die man hätte auch reden können. Fehlanzeige. Wer die Hoffnung hat, eine der kleinen Parteien könnte den War on Internet der großen Parteien stoppen, darf jetzt enttäuscht sein.

Inzwischen machen unsere Volksparteien einfach weiter, wie gehabt. Zensursula (CDU) tingelt durch die Vereinsheime der Bundesrepublik und beschwört das böse Internet – und bekommt von Sigmar Gabriel (SPD) beim peinlichen ZDF-Wahlforum auch noch Schützenhilfe. Für Guttenberg (CSU) Gegner von Internetzensur schon eh gleich mal in der Kinderschänder-Ecke. Wiefelspütz (SPD) will Ballerspiele verbieten. Merkel will mehr Videoüberwachung – und Schäuble plant soviele Grundrechtsgrausamkeiten, dass ich das hier gar nicht aufzählen will. Gerade heute beispielsweise: Den massiven Ausbau des Inlandsgeheimdienstes.

In Deutschland 2009 bringt die Regierung ihren Bürgern – insbesondere ihren digitalen Bürgern – sehr viel Misstrauen entgegen (Onlinedurchsuchung, Vorratsdatenspeicherung, Zensur, Präventivstaat). Das kann so nicht weiter gehen. Wir sollten versuchen zu erreichen, dass die Piratenpartei die Fünf-Prozent-Hürde knackt.

Geht alle wählen am Sonntag!

Acht Mini-Reviews für meine Liste mit Linuxalternativen

September 20, 2009 von byebyeapplecomputer

Eine der ersten Seiten dieses Blogs war vor etwa einem Jahr die Liste mit Linuxalternativen. Hier wollte ich die „must-have“ Linuxprogramme auflisten, die man als Mac Nutzer installieren sollte, damit einem der Wechsel von einem Betriebssystem zum anderen nicht so schwer fällt. Ich hatte auf dieser Seite all die Programme zusammen getragen, die ich unter MacOS X häufig genutzt hatte. Die Liste der Alternativen zu diesen Programmen war in den ersten Monaten noch ziemlich dünn, füllte sich dann aber nach und nach.

Beim Schreiben des Jahresrückblicks (Teil 1 / Teil 2) ist mir dann aufgefallen, dass die Liste mit Linuxalternativen auch nach einem Jahr immer noch ein paar Leerstellen aufweist. Ganz schön viele eigentlich sogar. Azureus, ColorSync, Cyberduck, Dashboard, Disk Utility, Dock, DVD Player, Exposé, EyeTV, iCal, Preview, Quick Look, QuickTime Player, Spaces, VLC (Stand: 19. September 2009). Für all diese Programme hatte ich bislang keine Linuxalternativen aufgelistet. Nun ist nicht nicht so, dass es keine entsprechenden Programme geben würde. Ich hatte bislang nur noch keinen Artikel über diese geschreiben. Das war zum Teil meiner Faulheit geschuldet – zum Teil aber auch der Tatsache, dass einige Programme nicht spannend genug für eine umfangreiche Besprechung waren. Dennoch will ich euch die noch nicht besprochenen Linuxalternativen nicht vorenthalten. Viele dieser Programme nutze ich bereits seit Monaten, ohne das bislang erwähnt zu haben.

Azureus | Transmission

Transmission ist ein eleganter, kleiner BitTorrent Client. Merkwürdig, dass ich den unter MacOS X nie installiert hatte.

Transmission ist ein eleganter, kleiner BitTorrent Client. Merkwürdig, dass ich den unter MacOS X nie installiert hatte.

Mein Standardprogramm für BitTorrent war unter MacOS X Azureus. Kein besonders elegantes Programm. Aber es unterstützte die Verschlüsselung des Datenstroms und die Umleitung aller Trackeranfragen durch das Tor-Netzwerk. Ubuntu installiert als BT-Standardsoftware Transmission. Das hat ebenfalls Funktionen für Umleitung und Verschlüsselung. Im Gegensatz zu Azureus ist es viel eleganter zu bedienen und es ist cross-plattform. Ich hätte es also auch auf dem Mac nutzen können. Manchmal ist man hinterher schlauer.

Cyberduck | Nautilus

Die gute Integration von FTP, SMB, WebDAV und Co. in den GNOME Dateimanager Nautilus macht Programme wie Cyberduck für mich überflüssig.

Die gute Integration von FTP, SMB, WebDAV und Co. in den GNOME Dateimanager Nautilus macht Programme wie Cyberduck für mich überflüssig.

Wer auf Daten zugreifen will, die nicht auf dem eigenen PC liegen, steht vor der Frage: Kann mein Betriebssystem das out-of-the-box, oder installiere ich eine spezielle Software dafür. Üblicherweise kommt am Ende eine Art Misch-Lösung dabei heraus. Zumindest bei mir war das bislang immer so. Für die SMB-Verbindungen zu den Rechnern im Netzwerk konnte ich den MacOS X Finder nehmen. Für FTP und WebDAV musste ich Cyberduck installieren. Die Finder-Integration dieser Protokolle war zu schlecht. Im GNOME Dateimanager Nautilus ist die Integration der gängigsten Protokolle eine ziemlich runde Sache.  Nautilus mountet Server als Laufwerke. Der Finder kann das theoretisch auch. In der Praxis war das aber immer ganz schön hakelig. Nautilus bekommt das viel besser hin. Alle Protokolle funktionieren reibungslos, man kann Bookmarks setzen, die Passwörter werden im GNOME Schlüsselbund gespeichert – das ist elegant, mir reicht das. Obwohl Cyberduck ein gutes Programm war, vermisse ich es nicht.

Disk Utility | GNOME Partition Manager

Apple Disk Utility: Es gibt unter Linux kein Programm mit einem ähnlichen Funktionalitätsprofil. Der GNOME Partition Editor (Abbildung) ist noch am ehesten vergleichbar.

Apple Disk Utility: Es gibt unter Linux kein Programm mit einem ähnlichen Funktionalitätsprofil. Der GNOME Partition Editor (Abbildung) ist noch am ehesten vergleichbar.

Disk Utility (deutsch: Festplatten Dienstprogramm) ist so eine Art Schweizer Messer für alles rund um Festplatten, DVDs, Diskimages und so weiter. Obwohl… Der Begriff „Schweizer Messer“ ist mir irgendwie zu postiv besetzt. Disk Utility ist eher so eine Art „Allesmöglicheprogramm“. Ich bin ja kein Fan von Multifunktionsanwendungen. Mit Disk Utility kann man DVDs brennen, Diskimages erstellen und mounten, das Dateisystem überprüfen, Festplatten formatieren, RAID-Systeme aufsetzen und sogar Backups machen. Ein Programm dieser Art gibt es für GNOME (zum Glück) nicht. Die Funktionen von Disk Utility findet man bei Ubuntu sinnvoll auf die passenden Programme verteilt. DVDs kann man beispielsweise mit dem Dateimanager Nautilus brennen. Im Sinne von „Festplatten Dienstprogramm“ wäre der GNOME Partition Editor ein mit Disk Utility vergleichbares Programm. Es macht das, was es soll (Festplatten formatieren), sehr gut. Sprich: Es ist selbsterklärend und der Workflow ist so angelegt, dass man seine Festplatte nicht so leicht aus Versehen formatiert.

DVD Player / QuickTime | VLC Media Player

Der VLC Media Player spielt alle erdenklichen Videoformate problemlos ab.

Der VLC Media Player spielt alle erdenklichen Videoformate problemlos ab.

Wenn ich mir auf einem Mac Videos ansehen wollte, dann stand zunächst mal immer die Entscheidung an: DVD Player? QuickTime Player? Oder VLC? DVDs aus Deutschland habe ich dann immer mit dem Apple DVD Player angesehen. Für QuickTime-Formate (mov, m4v, mp4, qt) habe ich den QuickTime Player benutzt. Für den Rest, also für DVDs aus den USA, für divx, xvid und Co., habe ich VLC genommen. Ich weiß natürlich, dass das blödsinnig war. VLC spielt auch deutsche DVDs und QuickTime ab. Vermutlich habe ich QuickTime Player und DVD Player einfach aus Gewohnheit immer weiter genutzt und deshalb nie gelöscht. Ich war ja schon seit 1995 Mac-Nutzer und kannte zunächst nur QuickTime. Die Standard-Ubuntuinstallation bringt den Media Player Totem mit. Wenn man die entsprechenden Codecs nachinstalliert, spielt der auch eine Menge Videoformate ab. Ich hab mich im Alltag dennoch für VLC entschieden. Vermutlich wieder aus Gewohnheit, weil ich den ja vom Mac schon kannte. „Hüben wie drüben“: Der VLC funktioniert auch unter Ubuntu völlig problemlos und ist momentan mein einziger Videoplayer.

Exposé | Compiz Scale

Wem die Ubuntu-Taskbar zu unübersichtlich ist, der könnte es mal mit der Compiz-Option "Scale" versuchen.

Wem die Ubuntu-Taskbar zu unübersichtlich ist, der könnte es mal mit der Compiz-Option "Scale" versuchen.

Ich bin ja kein großer Fan der GNOME Taskbar. Ein etwas übersichtlicheres Konzept für Fenstermanagement kommt von Apple und heißt Exposé. Ein Klick und man sieht alle offenen Fenster nebeneinander verkleinert auf dem Desktop. Diese Funktion kann man unter Ubuntu auch nutzen. Der Fenstermanager Compiz hat eine Option „Scale“. Die muss man aktivieren. Dummerweise bin ich klickfaul. Die unübersichtliche Navigaton via Taskbar benötigt genau einen Klick weniger als Exposé bzw. Compiz Scale. Obwohl es schick aussieht, benutze ich „Scale“ selten.

iCal  | Mozilla Lightning

Lightning für Mozilla Thunderbird ist nur 2 Megabyte groß. Meine Linuxalternative für Apple iCal.

Lightning für Mozilla Thunderbird ist nur 2 Megabyte groß. Meine Linuxalternative für Apple iCal.

Leider habe ich keine eigenständige Kalender-Software für meinen GNOME-Desktop gefunden. Ich fand es immer gut, dass Apple in sein Mail-Programm nie einen Kalender eingebaut hat. Der Multifunktionsansatz von Microsoft Outlook  oder auch von Evolution (Linux) hat mich nie überzeugt. Ich hatte kurzzeitig mal Mozilla Sunbird ausprobiert. Aber bei dem Programm besteht ja akut die Gefahr, dass es nicht weiterentwicklet wird. Vielleicht sollte ich mal einen Blick rüber in KDE Lager werfen. Momentan siegt bei mir die Faulheit. Das Lightning-Plugin für Mozilla Thunderbird (nur 2 Megabyte!) funktioniert problemlos und genügt meinen (möglicherweise geringen) Ansprüchen. Das ist zwar jetzt auch eine integrierte Mail/Kalender-Lösung. Aber die ist wenigstens eleganter als das klobige Evolution. Meine alten Kalender aus Apple iCal habe ich importiert – und mir weiter keine Gedanken zum Thema Kalender gemacht.

Preview | Eye of GNOME (Image Viewer)

Eye of GNOME ist ein leistungsfähiger PDF- und Bildbetrachter - eine Alternative zu Apple Preview

Eye of GNOME ist ein leistungsfähiger PDF- und Bildbetrachter - eine Alternative zu Apple Preview

Auf der WWDC Keynote 2003 hat Steve Jobs den Dokumentenbetrachter Preview als „fastest PDF viewer on the planet“ bezeichnet. Und „gefühlt“ war er das auch so – gerade im Gegensatz zum Adobe Reader. Preview kann selbst sehr umfangreiche Dokumente quasi ohne Verzögerung öffnen und anzeigen. Die Suche innerhab der Dokumente ist schnell. Neben PDFs zeigt Preview auch alle möglichen Bildformate an – auch die alle sehr schnell. Ubuntu bringt für diesen Zweck Eye of GNOME (Image Viewer) mit. Der zeigt ebenfalls PDFs und Bilddateien an. Ist auch sehr schnell. Im direkten Vergleich zu Preview aber vielleicht etwas langsamer. In jedem Fall ist der Image Viewer ein guter Ersatz für Preview.

Spaces | Compiz Expo

Wechsel zwischen zwei virtuellen Desktops mit dem Compiz-Plugin "Expo"

Wechsel zwischen zwei virtuellen Desktops mit dem Compiz-Plugin "Expo"

Als Apple im Jahr 2007(!) mit Spaces erstmals virtuelle Desktops für MacOS X einführte, waren sie spät dran. GNOME, KDE und Co. hatten diese Funktion bereits seit Jahren. In der Standardinstallation von Ubuntu sind bereits zwei „Workspaces“ angelegt. Man erreicht den zweiten Schreibtisch üblicherweise über den kleinen Workspace-Switcher unter rechts.

workspace-switcher

Wem das nicht funky genug ist: Es gibt eine Menge Plugins für Compiz, die die Verwaltung der Desktops verschönern und erleichtern. Am bekanntesten ist sicherlich Cube. Ich selbst nutze ich das Plugin „Expo“.

Was jetzt noch fehlt: ColorSync, Dashboard, Dock, EyeTV und Quick Look

Das Projekt Bye-bye Apple Computer neigt sich allmählich dem Ende zu. Meine Liste mit Linuxalternative ist fast komplett. Es gibt noch fünf Leerstellen: ColorSync, Dashboard, Dock, EyeTV und Quick Look. Bislang habe ich diese Programme/Dienste aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht vermisst. Deshalb hatte ich mich auch noch nicht auf die Suche nach Alternativen gemacht. Mein alter Mac mini ist noch als Videorecorder in Betrieb. Ich brauche momentan keine Alternative zu EyeTV, weil ich es auf meinem VCR-Mac ja noch nutze. Auf die Suche nach einer Linuxalternative für das Dock hatte ich mich bislang noch nicht gemacht, weil ich das Grundkonzept des Apple Docks nicht gut finde. Ähnliches gilt fürs Dashboard. Im Prinzip finde ich Widgets für Wetter oder Fahrplan ganz gut. Aber der Zugriff über das Dashboard-Layer war mir im Grunde immer ein Klick zuviel. Tja und ColorSync? Soweit ich das sehe, ist Farbmanagement für Linux kein großes Thema. Wenn ich den entsprechenden Eintrag auf Wikipedia richtig verstehe, dann unterstützen etliche Applikationen im Prinzip ein Farbmanagement. Wie ich meinen Monitor vernünftig kalibrieren kann, weiß ich aber nicht. Das Ergebnis: Momentan sehen meine Fotos noch auf jedem Monitor unterschiedlich aus.

Und dann gibt es da ja auch noch Quick Look. Die Instant-Vorschau für den MacOS X Finder. Ganz ehrlich: Das ist eine Funktion, die ich tatsächlich schwer vermisse. Auf dem Mac kann man sich eine sehr große Vorschau einer beliebigen Datei anzeigen lassen, indem man die Leertaste im Finder drückt. Das ist sehr sehr praktisch. Für Linuxsysteme ist diese Funktion erst noch in Entwicklung. Das Projekt nennt sich Gloobus und es scheint ganz gute Fortschritte zu machen. Ich kenne bislang nur vielversprechende YouTube Demos (siehe oben). Mit der Installation warte ich aber wohl ein paar Monate. Stoff für den ein oder anderen Beitrag scheint es mir auch nach einem Jahr „Bye bye Apple Computer“ noch zu geben. Ein Glück.

Ready When You Are (1 Jahr Bye-bye Apple Computer – Das Fazit: Teil 2)

September 19, 2009 von byebyeapplecomputer

Ein kleines Vorwort: Vor diesem Beitrag habe ich mich etwas gedrückt. Das große Fazit. Teil 1 des Fazits war noch einmal der Versuch zu erläutern, warum ich nach 13 Jahren Apple den Rücken gekehrt habe. Im zweiten Teil geht es nun um die Alltagstauglichkeit von Ubuntu Linux. Kann ich den Wechsel wirklich guten Gewissens weiterempfehlen? Ich nutze ja erst seit einem Jahr Linux. Bin ich überhaupt „sachkundig“ genug für ein Fazit? Ich denke, das bin ich nicht – mache es aber trotzdem.

Der Wechsel von seinem gewohnten Betriebssystem hin zu einem neuen ist eine gewichtige Entscheidung. In der Regel hat man sich ja über Jahre hinweg an das Handling des alten Systems gewöhnt. Nach 13 Jahren Apple kannte ich MacOS X ziemlich genau – die dunklen, wie die hellen Ecken. Und Lesern mit Windows Erfahrung wird es ähnlich gehen. Ihr kennt Eure DLLs, stimmts?

Das offizielle Ubuntu Logo

Das offizielle Ubuntu Logo

Weil ich niemanden kannte, der Erfahrung mit so einen Mac-Linux-Switch hatte, dachte ich mir: Ich behalte meinen Mac und setze ein Testsystem (mein Netbook) mit Linux auf. Allen die jetzt auch denken, das sei eine gute Idee, denen muss ich widersprechen. Den Switch kann man nur begrenzt proben. Man muss leider den Sprung ins kalte Wasser wagen. Man muss alle persönlichen Daten vom alten Betriebssystem aufs neue kopieren und den alten Rechner ausmustern. Wer Linux nur auf einer alternativen Partition der Festplatte installiert, der wird den Wechsel nicht hinbekommen.

Also habe ich meinen Mac mini zum Videorekorder degradiert und mir einen neuen PC gekauft, der mein Hauptrechner werden sollte. Ich habe die dunkle Magie der PC-Schrauberei gelernt. Ein Kapitel auf das ich jetzt nicht näher eingehe.

Die wichtige Frage, der dieses Blog implizit immer nachgegangen ist, lautet: Ist Linux bereit für den Schreibtischrechner? Im Serverbereich ist das ja keine Frage. Rechenzentren sind voll mit Linuxboxen. Aber im Desktopbereich? Glaubt man optimistischen Statistiken wie denen von W3Counter, dann setzen knapp 2 Prozent (Stand August 2009) aller Nutzer Linux ein. Nicht gerade viel.

Installation geschafft - das war mein erster Screenshot!

Installation geschafft - das war mein erster Screenshot!

Mein erster Eindruck nach der Installation war zunächst: Natürlich ist Linux bereit für den normalen Schreibtischrechner! Wer schonmal einen Windows oder MacOS X Rechner neu aufgesetzt hat kennt das: Nach der Installation ist vor der Installation. Denn eine klassische Installations-DVD für Betriebssysteme installiert ja keine Programme mit. Die müssen dann erst mühsam Stück für Stück einzeln nachinstalliert werden. Ubuntu installiert man in der Regel von einer einzigen CD. Schon nach 20 Minuten hat man dann ein komplettes Linux auf seinem PC – komplett mit einer ganze Reihe an sinnvollen Programmen. Office, Bildbearbeitung, Foto- und Mp3-Managment und so weiter – alles ab dem ersten Start des Systems schon da.

Aber natürlich ist die Vorstellung „20 Minuten Installation und das war’s“ eine Illusion. Denn es gilt ja auch der Satz: Nach der Installation ist vor der Konfiguration. Und die hat es in sich! Ein neues Betriebssystem kennenzulernen und es so zurecht zu biegen, dass man damit zufrieden ist… Bei mir hat das mehrere Monate gedauert. Einer der ersten Tweaks nach der Standardinstallation war die Aktivierung der Räumlichen Dateiverwaltung. Das ist der Modus, in dem der Dateimanager Nautilus für jeden Doppelklick ein neues Fenster öffnet. Ein Verhalten, das viele nervt. Ich bin hingegen schwer begeistert von der konsequenten Umsetzung der Schreibtischmethapher. Ebenfalls sehr clever gelöst ist unter Linux das Installieren und Aktualisieren von Software. In der Linux Welt ist es nicht üblich sich ein Programm mit dem Browser aus dem Netz herunterzuladen und dann per Installationsprogramm zu installieren. Stattdessen wählt man Programme und auch Pakete über eine Art Katalog aus und installiert und deinstalliert diese dann mit einem Klick. Dieser standardisierte Prozess ist sehr benutzerfreundlich.

Der Linux Softwarekatalog - Einfache Installation Jahre bevor Apple für das iPhone den AppStore "erfunden" hat

Der Linux Softwarekatalog - Einfache Installation Jahre bevor Apple für das iPhone den AppStore "erfunden" hat

Weniger positiv fielen dann die ersten intensiveren Tests mit den verfügbaren Programmen aus. Für die Fotoverwaltung liefert Ubuntu F-Spot mit. Leider ist F-Spot sehr langsam und noch ziemlich unfertig. Rhythmbox – die GNOME MP3 Jukebox – hat wiederum ein ganz anderes Problem. Sie ist zwar schnell und einigermaßen elegant. Dummerweise ist die Weiterentwicklung ziemlich eingeschlafen. Im nächsten Ubuntu Release wird dann auch wohl Banshee und nicht mehr Rhythmbox mit dabei sein. Nun muss man entlastend sagen: Die Apple-Lösungen iPhoto und iTunes haben auch eine Menge Macken (- ich hab ja schon so meine Gründe gehabt Apple den Rücken zu kehren): iTunes hat im Laufe der Jahre immer mehr unnütze Funktionen hinzubekommn. Im Vergleich zu Rhythmbox ist iTunes ein fürchterlich behäbiges Programmmonster. iPhoto wiederum versteckt unter anderem meine Fotos in einer einzigen riesigen Bildarchivdatei. Dennoch war ich ein wenig enttäuscht von den Linux-Lösungen. So schwer kann es doch nicht sein eine gute MP3-Jukebox, oder eine gute Fotoverwaltung zu entwickeln.

GNOME Programme haben häufig viel große Navigationsleisten. Beispiel: Epiphany (3. v. links) - im Vergleich zu Safari und Firefox

GNOME Programme haben häufig viel große Navigationsleisten. Beispiel: Epiphany (3. v. links) - im Vergleich zu Safari und Firefox

Im Laufe meiner Tests ist mir am recht kleinen Netbook-Bildschirm eines aufgefallen: GNOME Programme verschwenden häufig zu viel Platz für Ihre Navigationsleisten. Das hatte dann wiederum meinen Blick darauf gelenkt, wieviel Apple auf  so kleine Dinge wie die Optimierung von Navigationsleisten verwendet. Mittlerweile gibt es Projekte wie Moblin oder den Netbook Remix von Ubuntu, die sich dieser Problemstellungen angenommen haben. Dennoch ist das ganze gar nicht primär ein Netbook-Problem. Ich finde auch auf einem 30 Zoll Bildschirm sollte man sich über jeden Pixel Gedanken machen. Ohne ein gewisses Maß an Pedanterie wird das GNOME Projekt nicht den Feinschliff erreichen, den der MacOS X Desktop zugegebenermaßen hat.

In einem weiteren Beitrag hatte ich einen etwas genaueren Blick auf den Ubuntu Desktop geworfen. Viele Konzepte scheinen mir Weiterentwicklungen aus der Windows 98 Zeit zu sein: Taskbar, Schnellstartleiste, Systray, Start-Menü. Das ist etwas enttäuschend. Ich hatte hier im Grund mehr Eigenständigkeit des Linux Desktops erwartet. Nichts gegen eine gute Kopie. Aber wenn Features wie Taskbar (immer überfüllt) und Systray (Sammelsurium) konzeptuell schlecht sind, dann muss was Neues her. Hier erwarte ich auch mehr Engagement vom Ubuntu-Sponsor Canonical. Es kann doch nicht sein, dass NotifyOSD die einzig sichtbare Weiterentwicklung des Desktops ist, die Canonical aktiv beisteuert. „Keine kleinen Brötchen mehr, Zeit zum Stollen backen“ singen Kinderzimmer Productions. Sehe ich genauso.

Mein Fazit nach einem Jahr Ubuntu Linux ist gemischt. Einige Dinge funktionieren unter Linux besser, als unter MacOS – in anderen Bereichen wiederum ist der Mac ganz klar vorn. In den allermeisten Bereichen ist der Unterschied aber gar nicht so groß. Der Wechsel zwischen den Systemen ist möglich, ohne dass man das Gefühl hat auf etwas verzichten zu müssen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: MacOS X ist ein gutes Betriebssystem. Es gibt keinen zwingenden technischen Grund Apple den Rücken zu kehren. Wer sich aber (wie ich) mit der Apple Software- und Hardware-Politik der letzten Jahre schwer schwer getan hat, wer auch das ungute Gefühl hat, dass Apple schon lange nicht mehr zu den „Guten“ gehört, dem kann ich nur empfehlen zu wechseln.

PwnPlayer Lite

August 21, 2009 von byebyeapplecomputer

Nach dem Firmwareupdate 3.0 funktionierte auf vielen iPod touchs (und iPhones) plötzlich der PwnPlayer nicht mehr. Sehr ärgerlich. Denn mit dem 3er-Update hatte Apple zeitgleich auch die Musikdatenbank des iPods verbarrikadiert. Neben den verschlüsselten Info-Hashes (Firmware 2.0), erschwert jetzt (Firmware 3.0) auch eine komplett neue Datenbankstruktur den Zugang zum iPod. Apple sperrt so mit jeder neuen Version immer wieder alternativen Musikplayern (Rhythmbox, etc.) den Zugang zu iPhone und iPod touch. Für so ein Szenario war der PwnPlayer bislang immer eine gute Wahl.

PwnPlayer Lite umgeht die iTunes Datenbank und spielt Musik aus dem Verzeichnis “var/mobile/Media/Music” ab

PwnPlayer Lite umgeht die iTunes Datenbank und spielt Musik aus dem Verzeichnis “var/mobile/Media/Music” ab

Er versucht gar nicht erst Musik aus der iTunes Datenbank des iPods abzuspielen. Stattdessen spielt er Musik ab, die man in das Verzeichnis “var/mobile/Media/Music” kopiert hat. Und an das Verzeichnis kommt man dank Jailbreak ja auch sehr einfach, ohne dass man iTunes installieren muss. Sprich: PwnPlayer war gerade auch unter Linux DIE Lösung, für alle die ohne iTunes auskommen wollen/müssen. Tja und dann – seit Firmware 3.0 – crashte das gute Ding ständig. Und auf der PwnPlayer-Webseite des verdienstvollen Eric Castro konnte man dann lesen: PwnPlayer’s development has been, and is currently on hiatus. Unschön :-(

PwbPlayer Lite - Endlich gibt es wieder einen alternativen Musikplayer für das iPhone OS

PwbPlayer Lite - Endlich gibt es wieder einen alternativen Musikplayer für das iPhone OS

Aber: Seit ungefähr einer Woche gibt es bei Cydia, dem Jailbreak-AppStore, jetzt PwnPlayer Lite zu laden. Der funktioniert einwandfrei und ist sehr stabil. Die Welt ist wieder in Ordnung. THX errrick!

Seit einer Woche im Hacker-AppStore "Cydia": PwnPlayer Lite

Seit einer Woche im Hacker-AppStore "Cydia": PwnPlayer Lite

Der faule Apfel (1 Jahr Bye-bye Apple Computer – Das Fazit: Teil 1)

August 18, 2009 von byebyeapplecomputer

In den kommenden Wochen wird Apple eine neue Version seines Betriebssystem MacOS X herausbringen. Gut zwei Jahre nach „Leopard“ kann man sich als Apple Nutzer dann für günstige 29 Euro das neue „Snow Leopard“ kaufen. Die (verdammt kurze) Liste der neuen Funktionalitäten der dieser Version von MacOS verdeutlicht: Momentan lehnt man sich in Cupertino ganz lässig weit zurück, verschränkt gähnend die Arme hinter dem Kopf und beobachtet das Geschehen auf dem PC Markt. Genau das war einer der Hauptgründe für mich im vergangenen Jahr mal einen Blick in die Linux Welt zu werfen. Im Macintosh-Bereich herrscht bei Apple Stillstand.

Alle interessanten Aktivitäten scheinen sich exklusiv im iPhone-Bereich abzuspielen. Und – das muss man der Entwicklungsabteilung von Apple auch ganz klar zugestehen – im das iPhone ist ein großartiges Gerät. Von meinem iPod touch kenne ich das iPhone OS ganz gut. Es ist anderen MobileOSes wie etwa Maemo von Nokia in Bereichen wie Bedienkomfort, Schnelligkeit und Energiesparen um Längen überlegen. Viel Licht, aber noch viel mehr Schatten. Mit seiner Softwarepolitik rund um iPhone und iPod touch offenbart Apple auch sehr deutlich seine dunkle Seite. Das iPhone ist eine schwerstens abgeschottete Plattform. Mit jedem Firmware-Update wird die weiter Abschottungsschraube gedreht. Die feste unbrechbare Kopplung an den iTunes Musikshop ist die zentrale Strategie für die Plattform iPod/iPhone. Ohne iTunes geht gar nichts. Eine leidvolle Erfahrung insbesondere für alle Linux-Nutzer.

Crab Apple Monster! - Wie passend. Ein Fundstück von Flickr-Nutzerin Juli Shannon (jk5854)

Crab Apple Monster! - Wie passend. Ein Fundstück von Flickr-Nutzerin Juli Shannon (jk5854) CC BY-NC 2.0

In den vergangenen zwölf Monaten machte Apple negative Schlagzeilen, weil es immer wieder die Inhalte des Software-Stores zensierte. Abstrus erscheinen die Zensurmaßnahmen, die Apple im Namen des Jugendschutzes betreibt. Da wird ein Wörterbuch aus dem Programm genommen, das so schlimme Wörter wie „Cunt“ enthält. Unangenehm wird’s wenn Apple Konkurrenzprodukte zensiert. Beispiele hier wären: MailWrangler und Podcaster. Das muss man mal in Perspektive setzen. Bei Microsoft wird seit Jahren bemängelt (und vor EU-Gerichten geklagt), dass der Internet Explorer so eng mit Windows verzahnt ist. Man stelle sich vor, Microsoft ginge noch einen Schritt weiter und würde eine Installationsmöglichkeit von Firefox komplett blockieren.

Nun – genauso handelt Apple. Wo es nur geht, wird Kontrolle geübt. Ein Grund dafür ist das Bestreben, die eigene Marktposition zu sichern. Der zweite Grund für den Zensur- und Kontrollwahn ist das Betreben, die User-Experience der eigenen Produkte stimmig zu halten. Die Produkte aus Cupertino sollen möglichst rund sein. Ich würde aber lieber ein paar Ecken und Kanten in Kauf nehmen, wenn Apple darauf verzichten würde mich zu entmündigen. Es muss möglich sein, auf meinem iPod auch Programme zu installieren, die Apple nicht gut findet.

Aber diese Art von Offenheit ist nicht von Apple in den kommenden Jahren nicht zu erwarten. Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass alle zukünftigen Produkte aus Cupertino geschlossene Betriebssysteme haben werden. Der gute alte Personal Computer, so scheint es, war ein bedauerliches Missverständnis. Die Ingenieure haben Anfang der 1980er Jahre in ihrem jugendlichen Leichtsinn eine Plattform etabliert, die das freie Ausführen von Code ermöglichte (Hui!). Damals hatte man nicht bedacht: Nutzer sind dämlich und müssen vor sich selbst geschützt werden. Ich bin mir sicher: Wenn man Steve Jobs in eine Zeitmaschine setzten würde, dann würde His Steveness (mit seinem De Lorean?) ins Jahr 1984 zurückfliegen und diesen Geburtsfehler des Macintosh korrigieren.

Ja, liebe Apple Fanboys, der einstmals schöne Apfel ist faul geworden. Und ich sehe keine Anzeichen, dass sich daran in den kommenden Jahren etwas ändern wird. Dass im Bereich MacOS momentan Stillstand herrscht, ist da fast noch ein gutes Zeichen. Denn eines ist sicher: Freier wird die Plattform Macintosh in den kommenden Jahren sicherlich nicht werden. Es steht eher zu befürchten, dass Apple das erfolgreiche Geschäftsmodell AppStore auf MacOS portiert, damit das Betriebssystem „sicherer“ wird.

Zeit also für einen Wechsel. Der zweite Teil des Rückblicks auf ein Jahr Bye-bye Apple Computer wird wohl Ready When You Are betitelt werden – und widmet sich dann meinen Erfahrungen mit dem Umstieg auf Ubuntu Linux.

War on Internet – Eine Polemik

August 9, 2009 von byebyeapplecomputer

Auch der von mir sehr verehrte, altehrwürdige Computerclub äußert sich in den letzten Wochen immer mal wieder zu netzpolitischen Themen. Zeit also, dass auch Bye-bye Apple Computer sich mal wieder Off-Topic meldet. Mein Thema heute: War on Internet. Ich meine damit den Kreuzzug einer offline sozialisierten Machtelite gegen das Internet. Ich hatte Lust mal ein bisschen rumzupoltern. Der Beitrag ist eher eine Aschermittwochsrede, als eine kühle Erörterung des Themas. Polemikalarm.

Begonnen hat der War on Internet in etwa mit dem Jahrtausendwechsel. Ende der 90er-Jahre wurde das Internet erwachsen. Der große Aufstieg von AOL, Amazon und eBay, die Verbreitung von DSL-Breitbandanschlüssen. Und 1998 dann die Entwicklung von Napster. Plötzlich war es möglich in den freigegebenen Ordnern anderer Nutzer weltweit nach Informationen (meistens MP3s) zu suchen. Auf diese Weise visualisierte Napster zum ersten Mal, wie ein demokratisches Internet aussehen könnte. Nicht mehr Server-to-Client, nicht mehr die Telekom und ich – sondern Peer-to-Peer, Du und ich. Mit den Prozessen der Musikindustrie gegen den Napster-Gründer Shawn Fanning (Jahrgang 1980) begann der War on Internet.

Wie der Global War on Terror von Oberkreuzritter George W. Bush ist auch der War on Internet von Beginn an ein asymmetrischer Krieg. Große Konzerne und Regierungen gegen kleine Start-Up Unternehmen, gegen einzelne Bürger. Jüngstes erschreckendes Beispiel ist das Urteil gegen Jammie Thomas-Rasset. Die muss 1,9 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen, weil sie in der Tauschbörse Kazaa 24 Songs angeboten hatte.

Der War on Internet begann mit den Prozessen gegen Napster

Der War on Internet begann mit den Prozessen gegen Napster

Wie der War on Terror bringt auch der War on Internet weltweit unzählige Gesetze hervor, die als Kollateralschaden die Grundordnungen unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaften schwer beschädigen. Nach 9-11 wurden in den USA die PATRIOT-Act Gesetze verabschiedet. Ich war 2003 zwei Wochen in New York. Es herrschte gerade mal wieder Alarmstufe Orange. In den Straßen und auf den Bahnsteigen der U-Bahn patrouillierten Soldaten mit großkalibrigen M-16 Maschinengewehren. Der Staat betrachte plötzlich seine eigenen Bürger als potenzielle Gefahr. Ein Zustand, von dem ich annahm, es gäbe so etwas nur in Militärdiktaturen. Hallo Bananenrepublik!

Auch in Deutschland wurden im Rahmen des Anti-Terror-Kriegs ebenfalls die Sicherheitsgesetze verschärft. Der berüchtigte Otto-Katalog von Bundesinnenminister Otto Schily. Heribert Prantl hat dieses Gesetzespaket in der Süddeutschen Zeitung am 15. Dezember 2001 unter anderem wie folgt kommentiert:

„[...] Neue, umfangreiche Kompetenzen für die Geheimdienste; noch mehr Überwachung auch von unbescholtenen Leuten, die davon in der Regel nichts erfahren; noch ein paar große Löcher mehr in der grundgesetzlich gewährleisteten Rechtsschutzgarantie, im Datenschutz, im Post- und Fernmeldegeheimnis; noch etliche Verschärfungen im Vereins-, im Ausländer- und Asylrecht, noch ein paar Zugaben zum Lausch- und Spähangriff; ungebundene Ermittlungskompetenzen für Geheimdienste und Bundeskriminalamt. Und nicht zuletzt: Ausweispapiere werden künftig Fingerabdrücke und „biometrische“ (zum Beispiel Gesichtsvermessungs-) Daten erhalten. Vielleicht haben die Grünen die „Biometrie“ ja deshalb für verträglich gehalten, weil darin das Wort „Bio“ vorkommt. [...] Der Geist des Präventionsstaates sieht so aus: Jeder Bürger ist potenziell gefährlich; es muss also erst einmal festgestellt werden, dass er konkret nicht gefährlich ist – er muss sich also entsprechende Überprüfungen gefallen lassen. Bisher war dies umgekehrt. Man nannte das: Rechtsstaat.“

Die Unschuldsvermutung wird auf den Kopf gestellt. Wer schon mal einen Reisepass beantragt hat und in diesem Rahmen seine Fingerabdrücke abgeben musste, kennt das Gefühl: Warum werde ich hier quasi-erkennungsdienstlich behandelt?!

Im War on Terror betrachtet der Staat seine Bürger als Gefahr. Im New York nach 9-11 patrouillierten Soldaten mit großkalibrigen M-16 Maschinengewehren.

Im War on Terror betrachtet der Staat seine Bürger als Gefahr. Im New York nach 9-11 patrouillierten Soldaten mit großkalibrigen M-16 Maschinengewehren.

Auch im Rahmen des War on Internet wurden in den letzten zehn Jahren etliche Gesetze verabschiedet, die das freiheitliche Internet und die damit einhergehende offene (digitale) Gesellschaftsordnung in ihrem Kern schwer beschädigen. All diese Internet-Gesetze – so unterschiedlich sie auch sein mögen – haben häufig zwei Gemeinsamkeiten: (1) Ihnen fehlt das Verständnis für die Besonderheiten digitaler Kultur, sowie dafür, worin sich die digitale Welt von der analogen Welt unterscheidet. (2) Sie gehen von einer umgekehrten Unschuldsvermutung aus, dem Generalverdacht.

Den Anfang einer ganzen Reihe von verkorksten Anti-Internet-Gesetzen machte in den USA der Digital Millennium Copyright Act (DMCA). Das Gesetz richtet sich explizit gegen Technologien, die einen Kopierschutz knacken oder helfen Digital Rights Management (DRM) zu umgehen. Das Gesetz zeugte von einem völligen Unverständnis für eine Haupteigenschaft von digitalen Informationen: Die Kopierbarkeit. Datenverarbeitung ist doch im Grunde ein ständiges Kopieren. Informationen werden von der Festplatte in den Arbeitsspeicher kopiert. Beim Betrachten einer Webseite wird im Cacheverzeichnis des Browsers eine Kopie erstellt. Auf dem iPod landet eine Kopie meiner Musik. Der DMCA ist ein Lobbygesetz, das sich gegen eine digital-immanente Funktion gestemmt hat: Das Kopieren. Genutzt hat es es nichts. 1999 knackte Jon Lech Johansen die Verschlüsselungsalgorhytmen in der DVD – ein Jahr nach Verabschiedung des DMCA. Das setzte ein Zeichen. Seitdem wurde im Grunde genommen jeder relevante Kopierschutz von X-Box bis iPhone geknackt. Kopieren ist nun mal nicht abschaffbar. Was für eine absurde Idee auch. Der DVD-Hack ist jetzt zehn Jahre alt. Zehn ungenutzte Jahre. Die Musik- und Filmindustrie hat sich aber nicht davon abhalten lassen weiter mit DRM zu experimentieren – und nebenbei Hacker mit Abmahnungen und einstweiligen Verfügungen zu drangsalieren. Das ist dann schon as creative as it gets: Verbieten, Aussperren und Kriminalisieren. Ich weine der Urheberrechtsindustrie keine Träne nach.

In Deutschland lief es wenig anders. Auch hier gibt es im Rahmen des War on Internet ein Lobbygesetz der Urheberechtsindustrie. Im September 2003 trat der sogenannte „Erste Korb“ der Urheberrechtsreform in Kraft. Auch in Deutschland wird Kopieren kriminalisiert. Das Umgehen von anachronistischen Kopierschutzsperren ist strafbar – ebenso die Privatkopie sogenannter rechtswidrig hergestellter Vorlagen. Einziges Ziel dieses Gesetzes: Die Generation Internet kriminalisieren. Mit etwas Abstand betrachtet ist es doch völlig absurd, das Kopieren verbieten zu wollen. Man stelle sich mal vor, zu Gutenbergs Zeiten hätten die großen Klöster versucht den Buchdruck verbieten zu lassen. Einziges Argument: Der Buchdruck würde das Geschäftsmodell „Handschriftkopie“ zerstören – damals saßen in den klösterlichen Schreibstuben Mönche, die Bücher sehr aufwendig von Hand kopiert hatten. Genauso läuft es aber heute. Die Evangelisten des War on Internet verkennen das enorme gesellschaftliche Potenzial, das die Möglichkeit der unendlichen Kopie von Information innewohnt. Ihr Geschäftsmodell aus dem letzten Jahrhundert soll wichtiger sein, als die gesellschaftliche Fortentwicklung.

Die Urheberrechtsreform wäre ein zahnloser Tiger, gäbe es nicht dazu passend das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung. Sechs Monate lang werden alle Verbindungsdaten von PC, und Telefon gespeichert, bei Mobiltelefonen sogar die Funkzellen. Das ermöglicht es komplette Kommunikations- und Bewegungsprofile von Personen zu erstellen. Das Internet ist ja im Grunde eine Erweiterung des öffentlichen Raums. Um zu verstehen, wie fatal die Speicherung von IP Adressen ist, hier eine etwas krumme Analogie: Zunächst muss man wissen, dass jede noch so kleine Transaktion im Internet eine IP-Spur hinterlässt. Das an sich ist schon nicht so schön. Die Analogie: Man stelle sich vor beim Spaziergang durch den Park würde jeder Bürger eine nicht löschbare farbige Spur hinter sich herziehen. Dank Vorratsdatenspeicherung würde in der Real World auf dieser Bewegungsspur dann auch noch dein Name stehen! Also nimm Dich in Acht. Bloß keinen Müll wegwerfen. Das kann man Dir nämlich auch sechs Monate später noch genau nachweisen. Über so eine staatlich organisierte Vollüberwachung freut sich die Urheberechtsindustrie natürlich. Das macht die Drangsalierung der Online-Community jetzt denkbar einfach. Achja: Eingeführt wurde das ganze natürlich nur um Terrorismus zu bekämpfen. Welchen Terrorismus mag man sich fragen? Und für dieses lächerlich geringe Bedrohungsszenario mal eben so die gesamte Bevölkerung in Generalverdacht nehmen. Na Danke.

Da in Europa abstruse Schadenersatzforderungen wie die oben genannten 1,9 Millionen Dollar für 24 kopierte MP3s nicht gesellschaftsfähig sind, ist man hier auf der Suche nach Strafen, die harmloser daherkommen. In der CDU scheint man sich neuerdings für das sogenannte Three-Strikes-Modell zu interessieren. Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat sich wiederholt dafür ausgesprochen. Fast hätte es diese irre Idee sogar ins Wahlprogramm der CDU geschafft. Das Three-Strikes-Modell sieht vor Nutzern, die dreimal eine Urheberrechtsverletzung begehen, den Internetanschluss zu sperren. Ist das Sperren des Anschlusses eine angemessene Strafe? Wer beim Ladendiebstahl erwischt wird, bekommt in der Regel ein Hausverbot. Ist das vergleichbar? Nein. Denn die Sperre des Internetanschlusses schließt den „Täter“ von einem wesentlichen Teil des gesellschaftlichen Lebens aus. Die Internetsperre ist für uns Digital Natives daher eher vergleichbar mit einer Zwangsabschiebung oder mit einer Haftstrafe. Aber das versteht die Politkergeneration „Bernd Neumann“ leider nicht. Die Generäle im War on Internet kennen das Internet als gesellschaftlichen Raum nicht. Für sie ist das Netz ein unbekannter, finsterer Ort, dem man anscheinend nur mit dumpfen Ängsten und heftigen Strafen begegnen kann.

Dumpfe Angst ist auch der Grund, aus dem das Unwort „Killerspiel“ erfunden wurde. Dieses Genre von Computerspielen hatte zuvor einen wesentlich passenderen Namen: Ballerspiele. Ballerspiel ist eindeutig. Man versteht sofort, worum es geht: In diesem Spiel wird viel geschossen. Eventuell lohnt sich ein Joystick mit Dauerfeuer-Taste. Das Wort „Ballern“ suggeriert aber gleichzeitig auch den unernsten Charakter der ganzen Sache. „Killerspiel“ ist gleich doppelt verzerrend. „Killen“ unterstellt Brutalität und Humorlosigkeit – diese Spiele sind gefährlich. Gleichzeitig kann man das „Killer“ in „Killerspiel“ nicht nur auf den Inhalt sondern auch auf den Spieler beziehen – das sind die Spiele, die von potenziellen Killern gespielt werden.

Die Hoheit über das sogenannte „Wording“ eines Phänomens zu gewinnen war schon immer eine wichtige politische Strategie. Im Krieg den Terror hat das Weiße Haus die „Achse des Bösen“ erfunden. Ein Begriff der nicht zufällig an die „Achsenmächte“ im zweiten Weltkrieg erinnert. Der „Achse des Bösen“ suggeriert eine weltumspannende Allianz, die sich wie die faschistischen Achsenmächte in den 1940er Jahren gemeinsam gegen die freie Welt verschworen haben. Und so ganz nebenbei wird der „War on Terror“ auf eine Bedeutungsebene mit dem Zweiten Weltkrieg gesetzt.

Auf dem 25sten Chaos Communication Congress hat Martin Haase einen kurzweiligen Vortrag über Politiker-Rhetorik gehalten: Neusprech im Überwachungsstaat - Politikersprache zwischen Orwell und Online

Auch im War on Internet wird um Worte gekämpft. „Killerspiele“ ist so ein diskriminierendes Wort. „Raubkopierer“ ist ein weiteres Beispiel. Genauso: Der Slogan „Raubkopierer sind Verbrecher“. In beiden Fällen werden wir Digital Natives schwer verunglimpft, nämlich als Mörder und Räuber. Der verbale War on Internet ist im vollen Gange. Wie anders ist es zu erklären, dass ein Bundeswirtschaftminster ganz unverholen versucht, die Unterzeichner der Petition gegen Internetzensur als Unterstützer von Kindesmissbrauch darzustellen?

Gezieltes Wording wird natürlich nicht nur zur Verunglimpfung genutzt, sondern auch zur Verschleierung. Im Krieg gegen den Terror war Folter auf einmal eine verschäfte Verhörmethode. Im War on Internet wird aus Totalüberwachung dann Vorratsdatenspeicherung. „Vorrat“ das hört sich richtig gut an. Ein Staat, der Vorräte anlegt, erscheint fürsorglich.

Und dann unsere Bundesfamilienministerin, Zensursula, die Frau, die Wolfgang Back vom Computerclub 2 immer nur Frau von den Laien nennt. Die verkauft uns ein Gesetz zur Internetzensur als Zugangserschwerungsgesetz. Ein vordergründig abstruses Vorhaben. Die Real World-Analogie: Im Nachbarhaus hat ein Laden für Kinderpornographie eröffnet und statt den Laden dicht zu machen nagelt Frau von den Laien das Schaufenster mit einem Brett und einem Stoppschild zu. Das ist derart schräg. Es verwundert daher auch nicht, dass sich Christian Bahls vom Blog MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren schon im April 2009 mit einem offenen Brief an die Bundesfamilienministerin gegen diese „gefährliche Symbolpolitik“ ausgesprochen hat. Besonders zynisch wird die ganze Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass Kindesmissbrauch als Vorwand genommen wird. Es geht hier nicht um Kinder, sondern um Internetzensur. Typisch: Noch bevor das Gesetz veranscheidet wurde, melden sich doch schon die üblichen Verdächtigen wie etwa Dieter Wiefelspütz von SPD zu Wort und fordern eine Ausweiterung der Internetsperren.

Die im Rahmen des Zugangserschwerungsgesetzes geschaffene intransparete Sperrliste ist auch ein mächtiges Kontroll- und Steuerungswerkzeug. Denn auf dieser Weise können Politik und Polizei die Justiz umgehen. Schon wieder dieser Bananenrepublik-style. Unliebsame Inhalte, können auf die schwarze Liste gesetzt, werden und weg sind sie. Kein Richter muss das auf Rechtmäßigkeit prüfen. So mit dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit umzugehen, zeugt von einem erschreckenden Mangel an Respekt vor unserem Grundgesetz.

Intransparenz scheint ein beliebtes Werkzeug zur Herstellung der inneren Sicherheit zu sein. Schon im Oktober 2001 (nur einen Monat nach 9-11) stellte der damalige Innenminister Otto Schily sein zweites Sicherheitspaket vor. In dem wurde neben vielen anderen Ungeheuerlichkeiten auch die Nutzung sogenannter IMSI-Catcher in Strafverfahren geregelt wurde. IMSI-Catcher täuschen vor eine Handy-Basisstation zu sein. An diese Fakestation melden sich alle Mobiltelefone in einem bestimmten Radius automatisch an. Das ermöglich einerseits eine heimliche Positionsbestimmung eines Handybesitzers. Die gesammelten Anmeldedaten des IMSI-Catchers verraten auch die Telefonnummern aller Handys in der Umgebung. So lassen sich beispielsweise die Nummern anonymer Prepaid-Telefone rausfinden – in Verbindung mit Beschattung auch deren Besitzer. Das sind Geheimdienstmethoden. Ein ziemlicher Eingriff in die Privatssphäre.

Geheimdienstmethoden scheinen jetzt auch für den Strafprozess in Mode zu kommen. Das Prinzip Heimlichkeit. Natürlich soll mir auch der berüchtigte Bundestrojaner ohne mein Wissen auf die Festplatte gespielt werden. Ich finde die Vorstellung Spionage-Malware aus dem Innenministerium zu bekommen an sich schon ziemlich übel. Nun gut. Aber wenn man schon meinen Rechner durchsuchen will, dann bitteschön Old-School. Also mit nem Polizisten, der mir einen Durchsuchungsbefehl unter die Nase hält. Auch hier wieder kommt wieder „Wording“ ins Spiel. „Online-Durchsuchung“ suggeriert: Hier haben wir es mit einer ans digitale Zeitalter angepassten Hausdurchsuchung zu tun. Das stimmt so leider nicht. Denn dieser Eingriff ist heimlich. Tatsächlich wäre der vom Chaos Computer Club geprägte Ausdruck Computerwanze wesentlich passender, als „Online-Durchsuchung“.  Aber auch der Vergleich mit der Telefonüberwachung hinkt. Einzig bei Gelegenheitsnutzern, die nur ab und an eine E-Mail schreiben, bleibt der Schaden an der Integrität der Privatsphäre begrenzt. Für die Generation Internet hingegen bedeutet die Computerwanze aber einen wesentlich massiveren Eingriff in die Privatssphäre, als die klassische Telefonüberwachung. Unsere Generation wickelt nun mal einen nicht unbedeutenden Teil des ihres Soziallebens online ab.


Erschreckende Ahnungslosigkeit. Für das ARD Morgenmagazin befragen Kinder im Berliner Reichstag Politiker zum Thema Internet

In vielen Blogs wird ja gegen die Internetausdrucker polemisiert. Das könnte ein Fehler sein. Die Jungs, die den War on Internet angezettelt haben, wissen schon recht genau, was sie da tun. Die Bundesjustizministerin sich fragt sich vielleicht tatsächlich „Was sind jetzt nochmal Browser?“ Die weiß nichtsdestotrotz ganz sicher, dass das Internet ein neuer gesellschaftlicher Raum ist. Und diesen Raum zu kontrollieren, ist das eigentlich Ziel des War on Internet. Es geht wie in jedem konventionellen Krieg um Macht und Territorium. Ich finde es erschütternd mit eigenen Augen ansehen zu müssen: Die neue digitale Öffentlichkeit ist schon jetzt besser überwacht und stärker kontrolliert, als es die alte Öffentlichkeit in den letzten 60 Jahren in Westdeutschland jemals war.

Ein relativ großer Teil der Bevölkerung ist noch zu wenig online. Das is ein Problem. Viele Zucken mit den Achseln, wenn man ihnen von Onlinedurchung, Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren erzählt. Diese „Betrifft mich doch gar nicht“-Attitüde verschafft den Generälen des War on Internet den Spielraum, den sie brauchen um Fakten zu schaffen. Meine Befürchtung: Es vergehen noch zehn Jahre bis es als mehr Digital Natives als Offliners gibt. Bis dahin bleibt den Internetausdruckern noch viel Zeit den digitalen Raum dauerhaft zu vergiften. Den War on Internet werden wir bis dahin leider vermutlich verloren haben.

Ubuntu One

Juni 29, 2009 von byebyeapplecomputer

Ubuntu One, der Cloud-Servce von Canonical, wird ja häufig mit Dropbox verglichen (und für schlechter befunden). Ich kenne Dropbox nicht. Als ehemaliger Mac-Nutzer denke ich zunächst an die iDisk-Funktion, die Apple schon vor neun Jahren als Teil der iTools-Services eingeführt hat. Mac.com-Mailadressen, eine eigene Mac.com-Homepage und die iDisk-Netzfestplatte. All das hatte Apple damals kostenlos angeboten. Ich war schwer begeistert. Das iTools-Highlight war definitiv die iDisk. Dummerweise waren die WebDAV-Server für Nutzer in Europa ziemlich langsam. Aber solange der Service kostenlos war, konnte man das tolerieren. Es war ja auch gerade erst das Jahr 2000 angebrochen. Computer und DSL-Zugänge waren eben auch noch etwas langsamer.  Zwei Jahre später wurden die iTools in .Mac („Dot Mac“) umgetauft und wollte Apple Geld dafür haben. Ich war damals Student und wollte mir das nicht leisten.

Das iDisk-Konzept, eine fest mit dem Desktop verknüpfte Web-Festplatte, finde ich aber weiterhin sehr reizvoll. Und natürlich hatte ich mich vor einiger Zeit dann auch für den Beta-Test von Ubuntu One angemeldet. Vor einer Woche kam etwas verspätet auch eine Einladung von Canonical zurück.

Ubuntu One integriert sich gut in den GNOME-Desktop. Vorbildlich: Alle Kopiervorgänge über das Internet laufen komplett im Hintergrund ab.

Ubuntu One integriert sich gut in den GNOME-Desktop. Vorbildlich: Alle Kopiervorgänge über das Internet laufen komplett im Hintergrund ab.

Um es vorweg zu nehmen. Die Online-Festplatte funktioniert super. Sie wird als Ordner „Ubuntu One“ in meinem Home-Verzeichnis angezeigt. Wenn ich eine Datei in diesen Ordner ziehe, dann sehe ich das Ergebnis sofort. Das Angenehme: Der (möglicherweise langwierige) Kopiervorgang läuft komplett im Hintergrund. Viel mehr gibt’s zu Canonicals Web-Festplatte eigentlich kaum zu sagen.

Wirklich ungewöhnlich fand ich die Art der Installation. Eine der ersten Dinge, die mir als Neu-Linuxer an Ubuntu damals gefallen hat, war die Paketverwaltung. Installation und Deinstallation mit einem Knopfdruck. Kein wildes Rumklicken auf irgendwelchen Download-Seiten mehr. Super.  Etwas umständlich fand ich es bislang aber immer, dem Paketmanager neue Paketquellen bekannt zu machen. Man muss manuell die neuen Quellen-URLs, als auch die GPG-Schlüssel hinzufügen. Nicht wild. Aber es geht einfacher.

Installation in zwei Schritten: (1) Neue Paketquelle hinzufügen und  (2) mit einer apt:// Adresse Ubuntu One laden

Installation in zwei Schritten: (1) Neue Paketquelle hinzufügen und (2) mit einer "apt:// Adresse" Ubuntu One laden

Auf der Installationshomepage von Ubuntu One gibt’s zwei Buttons. Ein Klick auf den ersten („Add PPA“) installiert die Paketquellen samt zuhörigen GPG-Schlüssel. Das Ubuntu-Team hat Paketquellen und GPG-Schlüssel in eine .deb-Datei gepackt. Eine sehr schöne Lösung, die ich so noch nicht gesehen hatte.

Die eigentliche Installation wird mit dem zweiten Button („Install“) gestartet. Der Install-Button verlinkt auf eine apt:// Adresse. Firefox leitet diese Anfrage (apturl) an den Paketmanager weiter. Auch sehr elegant. Man könnte fast sagen, dass die Installationsmethode von Ubuntu One innovativer ist, als die Software selbst.

Clever: Schlüssel und Paketquelle mit einer .deb-Datei installieren - das kannte ich so noch nicht.

Schlüssel und Paketquelle mit einer .deb-Datei installieren - das kannte ich so nicht.

Kurzer Exkurs: Ich habe einen DSL-Anschluss von 1&1. Vor ein paar Wochen ist mir (im Grunde zufällig) aufgefallen, dass zum Umfang des DSL-Anschlusses auch eine Online Festplatte gehört – Kapazität 115 GB. Die Platte läßt sich per WebDAV (https://sd2dav.1und1.de) auf dem Desktop als Laufwerk mounten. Das also nur ganz kurz, um die Konditionen von Ubuntu One in Perspektive zu setzen. Canonical will 120 Dollar für 10 GB Speicher haben. Das ist wirklich zu viel. Mein DSL-Anbieter gibt mir 15mal so viel Speicher als Dreingabe für einen Breitbandanschluss. Es ist ja nicht so, als wäre ich nicht bereit für Services im Netz Geld zu bezahlen. Flickr kriegt auch 25 Dollar im Jahr von mir. Aber in diesem Bereich liegt auch irgendwo die Grenze dessen, was ich für einzelne Cloud-Dienstleitungen bereit bin zu zahlen.

Dennoch ist die Entwicklung von Ubuntu One ganz viel versprechend. Der Client ist ja Open Source. Vielleicht entwickelt ein schlauer Programmierer mal eine Version von Ubuntu One, die sich mit jedem x-beliebigen WebDAV Server vesteht. Nautilus könnte eine Funktionalität, die langwierige Kopierprozesse über das Netz in den Hintergrund schiebt, gut gebrauchen.

Pwned!

Juni 23, 2009 von byebyeapplecomputer

Im Grunde sitze ich ja schon seit Januar diesen Jahres auf heißen Kohlen. Der RSS-Feed vom Dev-Team war fest gebookmarkt. Ich wartete fast fünf Monate lang auf die Veröffentlichung einer zuverlässigen Lösung meinen iPod touch 2G zu knacken. Am Sonntag kam dann die erlösende Meldung: redsn0w 0.7 kann den iPod touch der zweiten Generation öffnen. Also Transmission (BitTorrent) gestartet und damit die resn0w.app geladen. Nebenbei habe ich mich dann via Google auf die Suche nach einem Image der neuesten Firmware (3.0) gemacht.

Redsn0w benötigt für den Jailbreak die aktuelle iPod-Firmware

Redsn0w benötigt für den Jailbreak die aktuelle iPod-Firmware

Die Installation ist denkbar einfach. Redsn0w starten und den Anweisungen des Installers folgen. Fertig. Keine Fallstricke. Man muss allerdings noch einen alten Windows- oder Mac-Rechner rumstehen haben. Es gibt noch keine Linux-Version des Installers. Nach dem Jailbreak bemerkt man zunächst kaum einen Unterschied. Auf dem Homescreen wartet ein neues Icon:

Cydia icon Cydia

Cydia ist so eine Art Hacker App Store für iPhone und iPod touch. Über Cydia kann man Programme auf den iPod laden, die so nie durch die Apple-App-Zensur gekommen wären. Also: Emulatoren für Spielkonsolen, Wardriving-Tools, etc. Mein erstes Programm war OpenSSH. Mich hatte es kollossal genervt, dass Apple mich so dreist aus meinen iPod ausperrt. Ein erster Test im Terminal: Es klappt. Ich bin drin! Ich kann mich als Benutzer „mobile“ auf den iPod  schalten. Mein iPod heißt „s-pod“ Der SSH-Loginbefehl lautet dementsprechend:

ssh s-pod.local -l mobile

Das Anfangspasswort für den User „mobile“ – und auch das für den Root-Account – lautet: alpine. Man sollte BEIDE(!) im Anschluss an den ersten Login unbedingt via passwd im Terminal ändern. In Nautilus kann man sich übrigens auch ganz bequem via „Places / Connect t0 Server…“ das Innenleben des iPhone OS ansehen.

Sobald OpenSSH auf dem iPod touch läuft, kann man den iPod über "Places / Connect to Server..." als Laufwerk mounten.

Sobald OpenSSH auf dem iPod touch läuft, kann man den iPod über "Places / Connect to Server..." als Laufwerk mounten.

Ich bin sehr froh endlich an das Dateisystem meines iPod touch zu kommen, denn das ist momentan die EINZIGE Möglichkeit von Linux aus Musik auf das Gerät zu spielen. Apple hat die Musikbibliothek seiner Music.app-Anwendung auf dem iPod schon in Firmware 2.0 mit verschlüsselten Info-Hashes, gegen das Aufspielen von Musik durch Nicht-iTunes-Programme „geschützt“. In Firmware 3.0 sind die DRM-Freaks aus Cupertino noch einen Schritt weiter gegangen und haben die komplette Datenbankstruktur verändert.

iPod touch Filesystem - Ich bin drin!

iPod touch Filesystem - Ich bin drin!

Es bleibt die in der Ubuntu Community Documentation beschriebene Methode, den PwnPlayer via Cydia zu installieren. Denn der kann auf die Musik, die man im Verzeichnis „var/mobile/Media/Music“ abspeichert zugreifen. Das das Überspielen der MP3s kann man auf einem iPod mit OpenSSH ja einfach via Dateimanager machen. PwnPlayer ist Beta, funktioniert aber prima. Fazit: Mein iPod touch läßt sich jetzt ein halbes Jahr nach dem Kauf auch endlich mal von Linux aus befüllen.

Danke Def-Team!